Parlamentsbeschluss zum digitalen Euro
Am Donnerstag hat das Europäische Parlament in Straßburg mit 416 zu 169 Stimmen die Position zum Gesetzespaket für den digitalen Euro verabschiedet. Der Bericht des Parlamentsberichterstatters Fernando Navarrete Rojas (EPP) eröffnet damit die Möglichkeit, bereits in der kommenden Woche den vorbereiteten Trilog zu starten. Ziel ist, den Gesetzgebern – Europäische Kommission, Rat und Europäische Zentralbank – ein verbindliches Regelwerk zu geben, das sowohl eine Offline‑Token‑Variante als auch eine kontenbasierte Online‑Variante vorsieht.
Offline‑Token versus kontenbasierte Variante
Der ursprüngliche Entwurf favorisierte ausschließlich eine token‑basierte Offline‑Bezahlmöglichkeit. Nach intensiven Diskussionen im Finanzausschuss wurde jedoch beschlossen, beide Optionen parallel einzuführen, um den Bürgern eine echte Wahl zwischen Bargeld, digitalem Token und Konto‑Euro zu ermöglichen. Rojas betonte, dass die Verordnung die Gleichwertigkeit von bargeldlosen und baren Zahlungsmitteln explizit hervorhebt.
Wissenschaftliche Bedenken bei Datenschutz und Sicherheit
Forscher der TU Dresden und weiterer Institute warnen seitens des deutschen Forschungsministeriums vor gravierenden Schwachstellen. Obwohl das Modell „Privacy by Design and Default“ verspricht, kritisieren die Experten die Trennung von Identifikations‑ und Transaktionsdaten. Endkundenbanken würden die Identitätsdaten verwalten, während die EZB sämtliche Transaktionsdaten sammelt. Diese Architektur erschwere die Gewährleistung echter Vertraulichkeit erheblich.
Problem der De‑Pseudonymisierung
Durch Kombination von EZB‑Nummern mit zusätzlichen Metadaten ließen sich Transaktionshistorien leicht zurückverfolgen. Sobald ein Pseudonym aufgedeckt ist, wird das Zahlungsverhalten des Nutzers transparent. Datenschützer fordern daher, die EZB‑Nummern dynamisch und regelmäßig zu ändern, um eine dauerhafte Verknüpfung zu verhindern.
Risiken bei Token‑Lösungen
Token‑Systeme gelten als potenziell anonym genug, um Bargeld zu ähneln. Doch die Wissenschaftler verweisen auf das ungelöste „Double Spending“-Problem: Wird das Secure Element eines Mobilgeräts kompromittiert, können digitale Euro unbegrenzt vervielfältigt werden. Die Liste geknackter Secure Elements sei bereits lang, wodurch ein erheblicher finanzieller Verlust entstehen könnte. Laut Parlamentsvorschlag würde in einem solchen Fall die Zentralbank für Schäden von bis zu 60 Cent pro Transaktion haften.
Finanzielle Dimension des Projekts
Die ersten Ausgaben übersteigen bereits das ursprünglich von der EZB veranschlagte Budget von 1,3 Milliarden Euro. Allein die Implementierung einer Alias‑Lookup‑Funktion kostet rund 55,8 Millionen Euro. Experten sehen das gesamte Vorhaben als ein teures Unterfangen, das langfristig von einer stabilen Governance und robusten Sicherheitsmechanismen abhängt.