Einleitung

Die Europäische Kommission hat mit der Ankündigung von Ursula von der Leyen ein ambitioniertes Vorhaben präsentiert: ein flächendeckendes System zur Altersverifikation, das nicht nur soziale Netzwerke, sondern sämtliche digitale Angebote für Kinder und Jugendliche umfasst. Das Konzept, das in den Medien bereits als „Social Media Plus“ bezeichnet wird, soll die bisherigen Regelungen weit übertreffen und ein mehrstufiges, altersdifferenziertes Interneterlebnis ermöglichen.

Hintergrund und internationale Vorbilder

Der Anstoß für die aktuelle Debatte kam aus Australien, wo ein Verbot von Social‑Media‑Plattformen für Personen unter 16 Jahren eingeführt wurde. Trotz strenger Kontrollen nutzen viele Jugendliche weiterhin die Dienste, was Experten skeptisch stimmt. Dennoch sehen zahlreiche EU‑Staaten im australischen Modell einen Anhaltspunkt, um eigene Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Von der Leyen greift dieses Beispiel auf, will es jedoch radikal erweitern.

Der Begriff „Social Media Plus“

Der Ausdruck dient als Sammelbezeichnung für ein breites Spektrum an Online‑Diensten, die potenziell jugendgefährdend sein können. Neben klassischen Netzwerken zählen dazu App‑Marktplätze, Videospiele, Streaming‑Plattformen, KI‑gestützte Chatbots und weitere interaktive Angebote. Ziel ist es, jede digitale Anwendung, die für Minderjährige zugänglich ist und riskante Inhalte enthält, in den Alterskontrollrahmen zu integrieren.

Das geplante Stufensystem

Die Expert*innen‑Kommission schlägt eine EU‑weite Altersgrenze von 13 Jahren vor. Das Modell sieht mehrere Stufen vor: Kinder bis drei Jahre sollen keinerlei Bildschirmzeit erhalten; Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren dürfen Geräte nur unter Aufsicht nutzen; Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren erhalten Zugang zu Diensten, die altersgerechte Schutzmechanismen bieten. Die Verantwortung für die Durchsetzung soll nicht primär bei Eltern liegen, sondern durch technische Systeme gewährleistet werden, die das Alter des Nutzers verifizieren.

Technische Umsetzung: Die „Mini‑Wallet“

Ein zentrales Element ist die geplante Alterskontroll‑App, die von der Leyen als „Mini‑Wallet“ bezeichnet wird. Sie soll als digitale Identität fungieren und bei jedem Zugriff auf einen Online‑Dienst das Alter prüfen. So könnten Anbieter automatisch entscheiden, ob ein Nutzer die jeweiligen Inhalte sehen darf.

Reaktionen aus Wissenschaft und Politik

Während die Kommission das Vorhaben energisch unterstützt, gibt es kritische Stimmen. Der Deutsche Ethikrat lehnt ein generelles Verbot von Social Media für Kinder ab und fordert stattdessen strengere, aber flexible Alterskontrollen. Andere Fachkreise warnen davor, dass zu rigide Beschränkungen die Medienkompetenz junger Menschen beeinträchtigen könnten.

Ausblick und nächste Schritte

Der Bericht des Expertengremiums umfasst 156 Seiten, ergänzt durch eine 26‑seitige Zusammenfassung. In den kommenden Monaten sollen die EU‑Mitgliedstaaten die Empfehlungen prüfen und mögliche nationale Ergänzungen beschließen. Die Diskussion bleibt offen, doch das Vorhaben markiert einen bedeutenden Schritt hin zu einem stärker regulierten digitalen Raum für die jüngere Generation.

Source: https://netzpolitik.org/2026/verbot-fuer-unter-13-jaehrige-von-der-leyen-will-alterskontrollen-weit-ueber-social-media-hinaus/

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