Einführung

Im Rahmen der anhaltenden Diskussion um die Regulierung von sozialen Netzwerken richtet die EU‑Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihr Augenmerk erneut auf ein striktes Verbot für minderjährige Nutzer*innen. In einer Rede auf dem KI‑Gipfel in Kopenhagen betont sie, dass ein temporärer „Aufschub“ nötig sei, bis entsprechende Expert*innen‑Berichte vorliegen.

Politisches Vorgehen

Von der Leyen übt Druck auf das eigens eingerichtete Fachgremium für Kinderschutz im Netz aus. Obwohl sie betont, nicht vorwegnehmen zu wollen, impliziert sie klar, dass die Empfehlungen der Expert*innen mit ihrer eigenen Überzeugung übereinstimmen müssen. Ein Verstoß gegen diese Vorgaben würde nach ihrer Aussage Konsequenzen nach sich ziehen.

Euphemistische Rhetorik

Statt von einem harten „Verbot“ spricht sie von einem „zeitlichen Aufschub“ – ein bewusster Sprachschachzug, der das eigentliche Ziel beschönigt. Dieses Stilmittel stammt aus der Kommunikationsstrategie der australischen Regierung, die bereits 2025 ein ähnliches Modell umgesetzt hat. Dort lautete die offizielle Formulierung: „Es ist kein Verbot, es ist ein Aufschub, wann man Accounts haben darf.“

Parallelen nach Down‑Under

Die australische Erfahrung zeigt, dass Fachleute aus Jugendschutz, Medienpädagogik, Datenschutz und IT‑Sicherheit vehement gegen solch restriktive Maßnahmen sprechen. Gleiches gilt in Europa, wo rund dreißig Jugendverbände ein Verbot ablehnen und stattdessen Aufklärung fordern. Dennoch setzen Befürworter*innen auf emotionale Slogans, die das Anliegen sentimental aufladen.

Emotionale Argumentationsmuster

Ein prägnantes Beispiel ist die Äußerung „Geben wir den Kindern die Kindheit zurück“, die von der Leyen aus der australischen Kampagne „Let them be kids“ übernimmt. Hinter jener Parole stand ein Medienkonzern des Murdoch‑Imperiums, der eigens davon profitierte. Die EU‑Führung greift damit auf dieselbe emotionale Logik zurück, anstatt mit belastbaren Daten zu argumentieren.

Ausblick und Kritik

Die erwarteten Empfehlungen des Expertengremiums sollen bis zum Sommer vorgelegt werden. Beobachter*innen befürchten jedoch, dass die Kommission bereits ein fertiges Regelwerk im Kopf hat und die unabhängige Analyse lediglich als Formschranke dient. Das Spannungsfeld zwischen politischem Willen und wissenschaftlicher Unabhängigkeit bleibt damit offen.

Source: https://netzpolitik.org/2026/es-ist-meine-ueberzeugung-von-der-leyen-kommt-eigenen-fachleuten-zuvor-und-will-social-media-verbot/

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