Einleitung

Die jüngste Untersuchung des Appeals Centre Europe wirft ein grelles Licht auf die Praxis großer Social‑Media‑Konglomerate. Während Nutzer*innen täglich Hass­reden, gewaltverherrlichende Inhalte und ungerechtfertigte Kontosperrungen melden, zeigen die Zahlen, dass die Plattformen häufig zu langsam, zu nachlässig oder sogar zu überstürzt handeln.

Ergebnisse des Appeals Centre Europe

Hassrede‑Entscheidungen

Von insgesamt 1 700 geprüften Fällen, in denen Hassrede online blieb, befanden 70 % eine Löschung für zwingend nötig. Besonders gravierend: TikTok ließ in 83 % der Fälle Hass­reden stehen, gefolgt von Instagram (74 %), Facebook (61 %) und YouTube (58 %). Betroffen waren häufig Beiträge gegen Migrant*innen, religiöse Minderheiten, Roma und queere Personen.

Fehlgeleitete Löschungen

Doch nicht nur das Unterlassen von Maßnahmen, sondern auch überhastete Entferungen werden kritisiert. In 52 % der Fälle, in denen Inhalte gelöscht wurden, sah das Zentrum keinen Regelverstoß. Bei Waren‑ und Dienstleistungsanzeigen ließen sich 65 % der Löschungen nicht rechtfertigen.

Kontosperrungen – das häufigste Beschwerde‑Motiv

Mehr als 14 000 Meldungen betrafen gesperrte Konten. Oft stellten die Plattformen die strittigen Inhalte nicht zur Verfügung, sodass das Zentrum automatisch zugunsten der Nutzer*innen entschied. Selbst bei den wenigen Fällen, in denen Meta die Inhalte eingereicht hat, war die Zahl unter 100 – ein Zeichen für mangelnde Transparenz.

Transparenz‑ und Prüfungsdefizite

Von über 10 000 Entscheidungen konnten die Schlichter*innen lediglich in knapp 3 000 Fällen den Inhalt prüfen; in den restlichen über 7 000 Fällen fehlten die Daten vollständig. Ohne Einsicht bleibt die Bewertung spekulativ, doch das Zentrum widersprach in 59 % der überprüften Fälle den Plattform‑Entscheidungen.

Ausblick und Forderungen

Der Bericht verdeutlicht, dass die aktuelle Umsetzung des Digital Services Act (DSA) noch weit von einer wirksamen Kontrolle entfernt ist. Nutzer*innen benötigen klare, nachprüfbare Prozesse, Plattformen müssen Inhalte konsequent bereitstellen und unberechtigte Sperrungen rasch rückgängig machen. Nur durch strengere Aufsicht und mehr Offenheit kann ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen freier Meinungsäußerung und Schutz vor Hass gefunden werden.

Source: https://netzpolitik.org/2026/tiktok-instagram-youtube-plattformen-schludern-bei-hassrede-und-accountsperren/

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