Einleitung

In den letzten Jahren haben tausende Nutzer*innen auf Google Maps Bewertungen zu den Haftanstalten von U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE) hinterlassen. Diese Beiträge schildern oft erschütternde Erlebnisse von Inhaftierten und deren Angehörigen. Doch Google hat einen Großteil dieser Rezensionen systematisch entfernt und die Möglichkeit, neue Bewertungen zu schreiben, blockiert.

Wie die Löschungen entdeckt wurden

Muira McCammon, Professorin für Kommunikation an der Tulane University, hat seit 2024 die öffentlichen Beiträge zu ICE‑Einrichtungen gesammelt und analysiert. Ihre Forschung ergab, dass von den 1.636 im August 2025 erfassten Beiträgen fast alle inzwischen nicht mehr abrufbar sind. Nur vier Einrichtungen scheinen noch Bewertungen zuzulassen, während für 91 weitere Standorte die Bewertungsfunktion bereits deaktiviert wurde.

Keine offizielle Ankündigung

Google hat weder eine Pressemitteilung noch einen Hinweis auf der Plattform veröffentlicht, warum die Inhalte verschwunden sind. Das Unternehmen beruft sich in einem Blog‑Post von 2023 auf das Recht, Rezensionen zu entfernen, die „konsistent unhilfreich, schädlich oder themenfremd“ seien. Die Definition bleibt vage, insbesondere wenn es sich um persönliche Schilderungen von Betroffenen handelt.

Die offizielle Unternehmens‑ und Regierungsposition

Google‑Sprecherin Genevieve Park erklärte, dass Bewertungen für Orte, „zu denen Menschen ohne Wahl gehen“, nicht angezeigt werden. ICE‑Vertreter*innen und das Department of Homeland Security (DHS) wiesen jede direkte Kommunikation mit Google zurück. Ein DHS‑Sprecher behauptete sogar, „Detention sei eine Wahl“, und verwies auf ein geplantes App‑basiertes Selbst‑Deportationssystem.

Frühere Zensur‑Fälle

Die Löschung von ICE‑Bewertungen reiht sich ein in eine Reihe von Vorfällen, bei denen Google Inhalte im Zusammenhang mit der Einwanderungsbehörde zensierte. 2025 blockierte das Unternehmen die Android‑App ICEBlock, die Nutzer*innen über ICE‑Agenten informierte, und erfüllte ein Subpoena, das die Bank‑ und Kreditkartendaten einer studentischen Journalistin preisgab.

Was die gelöschten Rezensionen enthüllten

Die erhaltenen Texte zeigten ein breites Spektrum an Missständen: schlechte Telefonverbindungen zu Inhaftierten, unklare Haftdauer, überlange Vorhalte nach Strafverbüßung und generelle Unzugänglichkeit von Informationen. Ein spanischsprachiger Beitrag lautete: „You can barely hear the detainee when you make a phone call.“ Solche Aussagen könnten für Familienangehörige und Rechtsbeistände von entscheidender Bedeutung sein.

Folgen für die Öffentlichkeit

Durch das Entfernen der Bewertungen verliert die Gesellschaft einen wichtigen digitalen Zeugenbericht. Ohne diese Daten bleibt die öffentliche Kontrolle über die Praktiken von ICE‑Einrichtungen stark eingeschränkt. Aktivist*innen und Medien stehen vor der Herausforderung, alternative Kanäle zu finden, um die Erfahrungen von Inhaftierten zu dokumentieren.

Ausblick

Die Forschung von McCammon legt nahe, dass Google künftig noch stärker in die Kontrolle von Inhalten eingreifen könnte, die mit staatlichen Einrichtungen verbunden sind. Beobachter*innen fordern mehr Transparenz und klare Richtlinien, damit digitale Plattformen nicht unbeabsichtigt zur Verstummung von Menschenrechtsberichten beitragen.

Source: https://theintercept.com/2026/07/20/google-maps-reviews-ice-detention-centers/

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