Was steckt hinter dem EU Kids Act?

Die Europäische Kommission hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das Online‑Umfeld für Minderjährige grundlegend neu strukturieren soll. Unter dem Arbeitstitel „EU Kids Act“ sollen Plattformen, Apps und Spiele künftig verpflichtet werden, das Alter ihrer Nutzer*innen zuverlässig zu verifizieren. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche vor ungeeigneten Inhalten, manipulativen Algorithmen und ungewollten Kontakten zu schützen. Der Entwurf wird am 17. September von Präsidentin Ursula von der Leyen und Kommissarin Henna Virkkunen offiziell vorgestellt.

Altersverifikation bei Social‑Media‑Diensten

Ein zentrales Element des Gesetzes ist die Einführung verpflichtender Alterskontrollen für sogenannte „riskante“ Online‑Dienste. Dazu zählen soziale Netzwerke und Video‑Plattformen, bei denen Nutzer*innen fremde Kontakte knüpfen oder personalisierte Feeds erhalten können. Der Entwurf sieht vor, dass das Mindestalter für einen vollwertigen Account bei 15 Jahren liegt, während die komplette Nutzung aller Funktionen erst ab 18 Jahren gestattet sein soll. Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren dürfen lediglich eine eingeschränkte Jugendschutz‑Version nutzen, die etwa das endlose Scrollen oder das Empfangen von Push‑Benachrichtigungen reduziert.

Technische Umsetzung der Altersprüfung

Die Kommission plant, eine EU‑weite Alterskontroll‑App einzuführen, die auf amtlichen Ausweisdaten basiert. Alternativ können vergleichbare Werkzeuge eingesetzt werden, solange sie eine verlässliche Identitätsprüfung ermöglichen. Bestehende Accounts, die bereits seit Jahren aktiv sind und bei denen kein Verdacht auf Minderjährigkeit besteht, könnten von einer nachträglichen Prüfung ausgenommen werden. Kleine Unternehmen erhalten jedoch keine Sonderbehandlung – jede Plattform, die unter die Definition des Digital‑Markets‑Acts (DMA) fällt, muss die Vorgaben umsetzen.

Erweiterte Kontrollen für Spiele, Apps und KI‑Dienste

Der Gesetzentwurf geht weit über Social Media hinaus. Für Online‑Spiele, App‑Stores, Software‑Marktplätze und KI‑gestützte Chatbots ist künftig ein Zugang nur in einer kindgerechten Variante erlaubt. Dienste wie Roblox, Fortnite, ChatGPT, Claude oder die Stores von Apple und Google müssten das Alter ihrer Besucher*innen prüfen, bevor sie den vollen Funktionsumfang freigeben. Bei Software‑Marktplätzen wird zusätzlich verlangt, dass jedes angebotene Produkt einer altersgerechten Klassifizierung unterliegt, sodass jugendliche Nutzer*innen nur altersentsprechende Inhalte sehen.

Auswirkungen auf den digitalen Alltag

Für viele Nutzer*innen bedeutet das neue Regelwerk zusätzliche Hürden. Eltern, die für ihre Kinder ein Konto anlegen, müssen künftig ihre Sorgeberechtigung nachweisen. Auch erwachsene Nutzer*innen, die bislang keine Altersprüfung durchlaufen mussten, werden künftig mit einem Identitätsnachweis konfrontiert. Kritiker warnen vor einem bürokratischen Overhead und befürchten, dass die Maßnahmen die Innovationskraft kleiner Entwickler*innen hemmen könnten. Befürworter hingegen betonen den dringend benötigten Schutz vor algorithmischer Manipulation und ungewollter Datenerfassung.

Der EU Kids Act stellt damit einen umfassenden Versuch dar, das digitale Ökosystem kinderfreundlicher zu gestalten. Ob die geplanten Maßnahmen in der Praxis umsetzbar sind und welche rechtlichen Auseinandersetzungen noch folgen, bleibt abzuwarten.

Source: https://netzpolitik.org/2026/eu-kids-act-eu-kommission-will-netz-mit-alterskontrollen-zupflastern/

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