Einleitung

Die Europäische Kommission hat einen ambitionierten Gesetzentwurf vorgelegt, der das Internet künftig mit umfassenden Altersverifikationen ausstatten soll. Unter dem Arbeitstitel „EU Kids Act“ sollen sowohl soziale Netzwerke als auch Videoplattformen, Online‑Spiele, KI‑Chatbots und App‑Stores strenge Prüfungen einführen, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen.

Alterskontrollen bei Social‑Media‑Diensten

Artikel 6 des Entwurfs verpflichtet Anbieter von als riskant eingestuften Plattformen zu einer verpflichtenden Altersprüfung. Dabei wird nicht nur das tatsächliche Alter, sondern auch die Sorgeberechtigung von Erwachsenen, die ein Kinderkonto anlegen, abgefragt. Die EU plant hierfür eine zentrale Alterskontroll‑App, die auf Ausweisdaten basiert. Bestehende Konten, die keinen Verdacht auf Minderjährigkeit erregen, könnten von einer Nachprüfung ausgenommen werden (Artikel 32).

Grenzen für die volle Nutzung

Erst mit 18 Jahren sollen Nutzer*innen die komplette Funktionspalette von Plattformen wie Instagram oder TikTok nutzen dürfen – inklusive endlosem Scrollen, personalisierter Feeds und Kontakt zu Fremden. Ab 15 Jahren ist ein eingeschränkter Account erlaubt, der jedoch nur eine jugendfreundliche Version der Dienste bereitstellt.

Erweiterte Kontrollen für Apps, Spiele und KI‑Angebote

Die zweite Welle des Gesetzes (Artikel 8) richtet den Fokus nicht mehr ausschließlich auf Accounts, sondern auf den reinen Zugang zu digitalen Angeboten. Online‑Spiele wie Roblox oder Fortnite, KI‑Companions wie ChatGPT und Claude sowie große Software‑Marktplätze (Apple App Store, Google Play, Steam) müssen künftig das Alter ihrer Nutzer*innen verifizieren, bevor sie Inhalte ausspielen.

Spezialregelungen für Software‑Marktplätze

Marktplätze sollen ihre Produktpalette in kindgerechte und erwachsene Versionen aufteilen. Inhalte, die nicht für Minderjährige geeignet sind, dürfen nur nach erfolgreicher Altersprüfung freigegeben werden. Kleine Unternehmen erhalten dabei keine Ausnahmeregelungen – die Vorgaben gelten branchenweit.

Auswirkungen und Kritik

Der Gesetzentwurf löst kontroverse Diskussionen aus. Befürworter*innen sehen in den Maßnahmen einen notwendigen Schritt zum Schutz junger Menschen vor manipulativen Algorithmen und unkontrollierten Kontakten. Kritiker*innen warnen vor einer massiven Bürokratisierung, die sowohl Nutzer*innen als auch Unternehmen vor erhebliche Hürden stellt. Zudem wird die technische Umsetzung der EU‑Alterskontroll‑App und die Wahrung des Datenschutzes intensiv diskutiert.

Source: https://netzpolitik.org/2026/eu-kids-act-eu-kommission-will-netz-mit-alterskontrollen-zupflastern/

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