Einleitung

In der 38. Kalenderwoche hat die EU‑Kommission unter Leitung von Ursula von der Leyen den Gesetzentwurf für den sogenannten Kids Act vorgestellt. Ziel ist ein europaweiter Rahmen für Altersprüfungen im Internet, der weit über die bislang diskutierten Beschränkungen für soziale Netzwerke hinausgeht.

Was der Kids Act wirklich fordert

Entgegen vieler Medienberichte, die ein generelles Verbot von Social‑Media für Kinder unter 13 Jahren ankündigen, sieht der Entwurf vor, dass nahezu jede Online‑Anwendung – von großen Plattformen wie TikTok bis hin zu kleinen Chat‑Bots, Gaming‑Apps und Lernportalen – eine Alterskontrolle implementieren muss. Selbst Angebote, die bislang als kindgerecht gelten, sollen nur dann von der Pflicht ausgenommen werden, wenn sie explizit als solche gekennzeichnet sind.

Keine Ausnahmen für kleine Unternehmen

Der Gesetzentwurf legt fest, dass die Schwelle für die Altersprüfung sehr niedrig angesetzt ist. Kleine Start‑Ups und Nischen‑Anbieter dürfen nicht von der Regelung ausgenommen werden. Das bedeutet, dass jede digitale Dienstleistung, die nicht eindeutig als „kindfreundlich“ deklariert ist, einen Mechanismus zur Altersverifikation bereitstellen muss.

Die geplante Alterskontroll‑App

Zur Umsetzung soll eine von der EU bereitgestellte App zum Einsatz kommen. Nutzerinnen und Nutzer scannen ihren Personalausweis, woraufhin die Anwendung lediglich ein Alters‑Signal (z. B. „über 18“) an die jeweilige Plattform weitergibt. In der Praxis soll das System jedoch nicht anonym, sondern pseudonym arbeiten – ein Widerspruch zu den anfänglichen Datenschutzversprechen.

Risiken für die Privatsphäre

Obwohl im Entwurf von einem „Zero Knowledge Proof“ die Rede ist, bleibt unklar, wie diese Technologie konkret umgesetzt werden soll. Kritiker befürchten, dass die Infrastruktur leicht zu einer flächendeckenden Ausweispflicht im Netz ausgebaut werden könnte. Ein kleiner Gesetzes‑Update könnte bereits ausreichen, um die App von reinem Alters‑Signal zu einer Klarnamen‑Übermittlung zu wandeln.

Folgen für Eltern und Kinder

Ein weiteres umstrittenes Element ist die mögliche Verpflichtung von Eltern, das Sorgerecht für die Online‑Identität ihrer Kinder nachzuweisen. Damit könnte ein zweistufiges Kontrollsystem entstehen, das sowohl das Alter des Nutzers als auch die elterliche Aufsicht verifiziert.

Ein Blick in die Zukunft

Der Kids Act zeichnet ein Bild eines Internets, das eher an ein streng reguliertes „Teletubby‑Land“ erinnert, in dem jeder digitale Schritt durch einen Altersnachweis legitimiert werden muss. Befürworter argumentieren, dass dies den Jugendschutz stärkt, während Kritiker die Gefahr einer umfassenden Überwachung und einer schleichenden Einschränkung von Grundrechten sehen.

Source: https://netzpolitik.org/2026/kw-38-die-woche-als-die-eu-kommission-den-kids-act-vorlegte/

Related Articles