Einleitung

In vielen Metropolen wird das Füttern von Tauben verboten, um die Vogelpopulation zu reduzieren. Trotz dieses Verbots schlüpfen jedoch weiterhin zahlreiche Küken. Eine aktuelle Untersuchung der Technischen Universität München hat den Grund dafür aufgedeckt: Die männlichen Tauben übernehmen mehr Brutzeit, wenn das Weibchen länger nach Nahrung suchen muss.

Hintergrund des Rätsels

Das Aufrechterhalten einer konstanten Eientemperatur von 30–40 °C erfordert intensive Körperwärme. Wenn das Futter knapp ist, reduzieren viele Vogelarten ihre Brutdauer, weil sie länger nach Nahrung suchen oder ihre Energiereserven erschöpfen. Bei Stadttauben zeigte sich jedoch ein paradoxes Muster: Das Legen neuer Eier nahm ab, die Überlebensrate der Jungvögel sank, aber der Anteil der bebrüteten Eier blieb unverändert.

Rollenverteilung im Nest

Weibchen übernehmen den Großteil der Brutarbeit – sie sitzen fast rund um die Uhr auf den Eiern, während das Männchen tagsüber nur gelegentlich einspringt. Diese Aufgabenteilung gibt dem Männchen Spielraum, selbst zu fressen und theoretisch Energie für zusätzliche Brutphasen zu sparen. Ob es diese Möglichkeit tatsächlich nutzt, war bislang unbeantwortet.

Methodik der Münchner Studie

Im Jahr 2025 wurden 20 Taubenkolonien in Braunschweig, München und Würzburg beobachtet. Die Hälfte der Vögel lebte in Taubenschlägen mit ständigem Futterangebot, die andere Hälfte nistete an Gebäuden ohne Futterstationen. Unter jedem Nest wurde eine selbstgebaute Waage installiert, die alle 15 Minuten das Gewicht erfasste. Da Weibchen leichter sind und nachts brüten, ließ sich daraus ableiten, welches Elternteil gerade auf den Eiern saß.

Ergebnisse

Weibchen mit leicht zugänglichem Futter verbrachten 81 % des Tages auf dem Nest, während solche ohne Futter nur 75 % dort verweilten – ein Unterschied von fast 1,5 Stunden. Zudem waren die nicht gefütterten Weibchen zu Brutbeginn etwa 35 g leichter. Im Gegensatz dazu brüteten die Männchen ohne Futterangebot 22 % der Zeit, verglichen mit 17 % bei den gefütterten Paaren, ihr Gewicht blieb jedoch konstant.

Die Gesamtnestbesetzung lag in beiden Gruppen bei 98 %. Die Daten deuten darauf hin, dass Weibchen bei Nahrungsmangel schneller ihre Reserven aufbrauchen und länger wegfliegen, um Futter zu finden. Das Männchen nutzt die dadurch entstehende freie Zeit, um selbst zu fressen und gleichzeitig die Brutzeit zu verlängern. Diese Fähigkeit ist nicht bei allen Vogelarten vorhanden – Taubenmännchen besitzen eine spezielle Brutfleck‑Region auf der Brust, die direkte Wärmeübertragung ermöglicht.

Folgen für das Futterverbot

Die Studie erklärt das zuvor rätselhafte Phänomen, dass das Futterverbot erst dann wirksam wird, wenn die Jungen bereits geschlüpft sind. Da die Väter die Brutzeit ausgleichen, können die Eier trotz Nahrungsmangel bebrütet werden, doch die Belastung der Weibchen steigt. Langfristig könnte dies zu einer höheren Sterblichkeit der Weibchen führen, was das Ziel eines dauerhaften Populationsrückgangs unterstützen könnte.

Die Ergebnisse zeigen, dass Maßnahmen zur Taubenpopulation nicht nur das Füttern betreffen, sondern auch das Verhalten beider Elternteile berücksichtigen müssen.

Source: https://scientias.nl/waarom-een-voerverbod-duiven-pas-raakt-als-hun-jongen-uit-het-ei-zijn-gekropen/#respond

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