Langzeitbeobachtungen enthüllen ein überraschendes Muster

Ein Team von Ornithologen hat über 24 Beobachtungsjahre hinweg die Wanderbewegungen der Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis) am südlichen Zipfel von Vancouver Island analysiert. Die Ergebnisse, die im Journal of Raptor Research veröffentlicht wurden, zeigen, dass diese cleveren Greifvögel nicht nur später mit ihrem Herbstzug starten, sondern auch in deutlich größerer Zahl auftreten.

Warum Rotschwanzbussarde so lange warten

Der Rocky Point Bird Observatory liegt unmittelbar vor der Juan‑de‑Fuca‑Straße, einer etwa 18 km breiten Wasserfläche. Für Vögel, die auf warme, aufsteigende Luftschichten – sogenannte Thermik – angewiesen sind, stellt ein so weites offenes Gewässer eine erhebliche Barriere dar. Deshalb sammeln sich die Bussarde in dichten Schwärmen, den sogenannten „Kettles“, und verharren in einer Aufwölbung warmer Luft, bis die Bedingungen günstig genug sind, um das Wasser sicher zu überqueren.

Verschiebungen im Timing der Migration

Die Daten von 1999 bis 2023 belegen, dass sich der Zeitraum, in dem die Schwärme ihren Höhepunkt erreichen, alle zehn Jahre um rund 1,6 Tag nach hinten verschiebt. Der Beginn der Migration verzögert sich sogar noch stärker: etwa 2 Tage pro Dekade. Über die gesamte 25‑jährige Beobachtungsperiode summiert sich diese Verschiebung auf rund vier Tage – ein signifikanter Trend, der direkt mit veränderten Wetterbedingungen in Verbindung gebracht wird.

Beachtlicher Zuwachs der Population

Parallel zum späteren Auftreten hat sich die durchschnittliche Gruppengröße fast verdreifacht. Während 1999 noch etwa 200 Vögel gezählt wurden, wurden 2023 rund 560 Exemplare registriert – ein Anstieg um das 2,8‑Fache. Auch die Grundpopulation in der Region scheint zuzunehmen, was das Bild einer insgesamt prosperierenden Art im westlichen Nordamerika zeichnet.

Klima als treibende Kraft

Die Forscher vermuten, dass der Klimawandel eine zentrale Rolle spielt. Längere, mildere Herbste könnten den Bussarden ermöglichen, länger im Brutgebiet zu verweilen und gleichzeitig die Entstehung von Thermik über dem Meer zu verzögern. Änderungen in Windstärke und -richtung beeinflussen ebenfalls, wann die Vögel das Wasser sicher überqueren können.

Methodische Bedeutung und Ausblick

Die Studie demonstriert, dass das Zählen von Kettles nicht nur für Rotschwanzbussarde, sondern für zahlreiche andere Greifvogelarten wertvolle Einblicke liefert. Da viele Raubvögel große Wasserflächen und hohe Berge meiden, konzentrieren sie sich auf spezifische Übergangspunkte. Systematisches Monitoring an solchen Stellen könnte künftig frühzeitig ökologische Veränderungen signalisieren.

Die Ergebnisse ergänzen frühere Befunde aus Bürgerwissenschaftsprojekten, die bereits einen generellen Anstieg von Rotschwanzbussarden in Nordamerika zeigten. Jetzt liegen erstmals belastbare Daten aus dem pazifischen Nordwesten vor, die das Gesamtbild vervollständigen.

Für Vogelliebhaber, Naturschützer und Klimaforscher bietet diese Langzeitstudie ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie einzelne Arten als Indikatoren für breitere Umweltveränderungen dienen können.

Source: https://scientias.nl/noord-amerikaanse-roodkopgieren-blijven-steeds-langer-hangen-in-canada/

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