Einführung

Wilde Gelbkuppenkaketoes gelten als clevere Stadtbewohner. Neueste Forschung der Australian National University (ANU) belegt, dass sie unbekannte Nahrung nicht impulsiv probieren, sondern erst das Verhalten ihrer Artgenossen genau beobachten.

Das Experiment

In Sydney wurden an fünf Orten jeweils vier Vögel darauf trainiert, farbige Mandeln aus Futterstationen zu knacken. Anschließend wurden die Vögel wieder freigelassen und das Geschehen um sie herum über mehrere Tage dokumentiert. Insgesamt standen mehr als 700 wildlebende Kaketoes unter Beobachtung.

Ergebnis: Kopieren statt Ausprobieren

Innerhalb von nur zehn Tagen hatten Hunderte weitere Kaketoes das neue Fressverhalten übernommen – jedoch ausschließlich dort, wo ein trainierter Vogel präsent war. An Kontrollstandorten ohne Vorbild blieb das Interesse an den farbigen Mandeln gering. Die Schlussfolgerung: Das Essen neuer Nahrung wird primär durch soziales Lernen gesteuert.

Soziale Netzwerke als Entscheidungshilfe

Die Studie zeigte, dass nicht jeder Vogel gleich stark beeinflusst. Individuen, die enge Bindungen zu ihren Artgenossen hatten, wurden am ehesten Nachahmer. Männliche Kaketoes richteten ihr Augenmerk stärker auf andere Männchen, während Jungvögel vor allem dem Mehrheitsverhalten folgten. Diese Muster ermöglichten es den Forschern, die Verbreitung des neuen Essverhaltens fast exakt anhand der sozialen Kontakte vorherzusagen.

Kulturelle Entwicklungen im Rudel

Im Laufe der Beobachtungsphase entwickelten die Vögel verschiedene Techniken, um die Mandeln zu öffnen. Auch diese Methoden verbreiteten sich rasch innerhalb der Gruppen – ein klarer Hinweis auf kulturelle Übertragung im Tierreich. Penndorf, die leitende Wissenschaftlerin, beschreibt diesen Prozess als „Kultur in freier Wildbahn“.

Bedeutung für das städtische Ökosystem

Die Fähigkeit, durch Beobachtung Risiken zu minimieren, erklärt, warum Kaketoes in schnell wachsenden Städten gedeihen. Verkehr, Lärm, Müll und menschliche Nahrungsreste stellen ständig neue Herausforderungen dar. Wer zuerst erkennt, welche Angebote sicher sind, kann Ressourcen schonen und Krankheiten vermeiden.

Die Ergebnisse ergänzen frühere Befunde des Clever Cockie Projects, das bereits belegt hatte, dass Kaketoes komplexe Verhaltensweisen wie das Öffnen von Mülltonnen erlernen und ihr Futtersuchverhalten flexibel an menschliche Aktivitäten anpassen.

Damit wird deutlich, dass diese Vögel nicht nur als clevere Einzelgänger gelten, sondern als hochgradig vernetzte Gesellschaft, die kollektives Wissen nutzt, um in urbanen Räumen zu überleben.

Source: https://scientias.nl/kaketoes-eten-niet-zomaar-iets-nieuws-ze-kijken-eerst-af/