US‑Sanktionen gegen das italienische Aktivisten‑Netzwerk

Am Mittwoch hat das Office of Foreign Assets Control (OFAC) das seit 2001 bestehende Kollektiv Autistici/Inventati als „globale Terroristen“ eingestuft. Die US‑Regierung begründet die Maßnahme mit einer angeblichen Unterstützung von gewalttätigen linksradikalen Gruppen, insbesondere der sogenannten Antifa. In einer offiziellen Mitteilung wird behauptet, das Kollektiv stelle digitale Werkzeuge, Server und Kommunikationsdienste bereit, die von extremistischen Zellen genutzt werden könnten.

Wie die US‑Behörden die Vorwürfe formulieren

Die Sanktionen beruhen auf einer Verordnung aus der Ära von George W. Bush, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erlassen wurde. Ohne konkrete Beweise wird behauptet, Autistici/Inventati habe „spezielle digitale Architektur, Tools und Dienstleistungen für Antifa‑Zellen und andere gewalttätige linksradikale Extremisten“ bereitgestellt. Weiterhin wird die angebliche Zusammenarbeit mit der Arbeiterpartei Kurdistans genannt, die laut US‑Stellungnahme ebenfalls von den angebotenen Diensten profitiert habe.

Die Gegenreaktion des Kollektivs

In einer ausführlichen Erklärung weist Autistici/Inventati sämtliche Anschuldigungen entschieden zurück. Das Netzwerk betont, dass es seit seiner Gründung im Umfeld des G‑8‑Gipfels in Genua ausschließlich Plattformen für digitale Selbstverteidigung bereitstelle. Ziel sei es, freie Kommunikation für Aktivist*innen, NGOs und andere zivilgesellschaftliche Akteure zu ermöglichen – nicht, Gewalt zu fördern.

„Antifaschismus und Antikapitalismus sind kein Terrorismus. Protestieren ist kein Terrorismus“, heißt es weiter. Das Kollektiv kündigt an, seine Arbeit trotz des politischen Drucks fortzusetzen und alle verfügbaren Mittel zu nutzen, um die falschen Vorwürfe zu entkräften.

Was das Netzwerk eigentlich leistet

Autistici/Inventati betreibt unter anderem die Blogplattform NoBlogs.org, die in Deutschland und darüber hinaus von tausenden Nutzer*innen genutzt wird. Darüber hinaus stellt das Kollektiv kostenfrei E‑Mail‑Adressen, Instant‑Messenger‑Dienste und selbstverwaltete Serverinfrastruktur bereit – alles abseits großer kommerzieller Anbieter. Laut eigenen Angaben hostet das Kollektiv rund 1.500 Webseiten, die von sozialen Bewegungen, Umweltgruppen und Menschenrechtsorganisationen betrieben werden.

Finanzielle Folgen und mögliche Risiken

Das Kollektiv finanziert sich ausschließlich über Spenden. Durch die US‑Sanktionen könnten Banken und Zahlungsdienstleister aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen Konten schließen oder die Auszahlung von Geldern blockieren. Damit droht eine ernsthafte Bedrohung der finanziellen Basis, die für den Erhalt der technischen Infrastruktur unabdingbar ist.

Ein Blick in die Vergangenheit

Dies ist nicht das erste Mal, dass die US‑Regierung zivilgesellschaftliche Projekte in Europa unter Druck setzt. Bereits 2025 wurden ähnliche Maßnahmen gegen Organisationen ergriffen, die mit der Antifa in Verbindung gebracht wurden. Kritiker*innen sehen darin ein Muster, das darauf abzielt, progressive Bewegungen zu schwächen und die öffentliche Aufmerksamkeit von eigenen innenpolitischen Konflikten abzulenken.

Die aktuelle Situation wirft grundlegende Fragen nach der Legitimität von Sanktionen ohne transparente Beweisführung auf und verdeutlicht, wie stark digitale Freiräume bereits heute politisch umkämpft sind.

Source: https://netzpolitik.org/2026/autistici-inventati-usa-sanktionieren-italienisches-internetkollektiv/

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