Ein außergewöhnlicher Held aus Boston
Reed Edwin Peggram, geboren 1914 in Boston, war nicht nur ein brillanter Student der Harvard University, sondern auch ein mutiger Kämpfer für Freiheit. Als einer der wenigen Afroamerikaner seiner Klasse stach er bereits in der Highschool durch herausragende Leistungen hervor und erlangte später den begehrten Phi‑Beta‑Kappa‑Orden. Seine akademische Laufbahn, die ein Bachelor‑ und ein Masterstudium umfasste, bereitete ihn auf ein Leben jenseits der üblichen Beschränkungen seiner Zeit vor.
Eine verbotene Liebe inmitten des Krieges
Im Sommer 1939 reiste Peggram nach Dänemark, um dort an einer Forschungsstelle zu arbeiten. Dort traf er Gerdh Hauptmann, einen jungen Dänen, mit dem er eine tiefe emotionale Bindung entwickelte. Ihre Beziehung, die in einer Ära von Rassismus und Homophobie kaum akzeptiert wurde, wuchs zu einer lebensrettenden Partnerschaft heran. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, fanden sich die beiden Männer plötzlich im Zentrum einer tödlichen Auseinandersetzung zwischen den Alliierten und den faschistischen Besatzern.
Flucht aus einem italienischen Konzentrationslager
Im Herbst 1944 erreichte die 92. Infanteriedivision der US‑Armee das Apennin‑Gebirge und stieß auf zwei abgemagerte Gestalten, die behaupteten, aus einem deutschen Lager geflohen zu sein. Einer war blond, der andere dunkelhäutig – Reed und Gerdh. Sie erzählten von einer unglaublichen Odyssee: Sie schwammen durch eisige Seen, kletterten über schneebedeckte Berge und fanden Zuflucht in Scheunen, Höhlen und bei mutigen Partisanen. Trotz Hunger, Kälte und ständiger Gefahr hielten sie unbeirrbar zusammen.
Die Medien und die Zweifel
Der afroamerikanische Reporter Max Johnson berichtete in mehreren schwarzen Zeitungen über die beiden Flüchtlinge. Die Überschriften waren provokativ und gleichzeitig bewundernd: „Negro entkommt deutschem Lager in Italien“ und „Zwei Freunde trotzen den Bomben“. Johnson äußerte jedoch Skepsis, weil Peggrams Akzent eher britisch klang und seine akademischen Abschlüsse schwer zu verifizieren waren. Dennoch blieb die zentrale Botschaft klar: Die Freundschaft zwischen Reed und Gerdh war stärker als jede Nazi‑Ideologie.
Verlust und Triumph
Für Reed war der größte Schmerz nicht das körperliche Leiden, sondern der Verlust seines Harvard‑Diploms, das im Chaos des Krieges verschollen war. Er sprach davon, dass die Universität keine Duplikate ausstelle, und klammerte sich dennoch an seinen Phi‑Beta‑Kappa‑Schlüssel – ein Symbol für seine intellektuelle Identität. Trotz aller Widrigkeiten kehrte er nach Amerika zurück, wo er als einer der wenigen schwarzen Veteranen des Krieges Anerkennung fand.
Ein Erbe, das weiterlebt
Die Geschichte von Reed Peggram und Gerdh Hauptmann wurde kürzlich von Autorin Ethelene Whitmire aufgearbeitet und steht kurz vor der Veröffentlichung bei Penguin Random House. Ihr Buch beleuchtet nicht nur die historischen Fakten, sondern auch die emotionale Tiefe einer Liebe, die über Rassen- und Geschlechtergrenzen hinweg bestand. In einer Zeit, in der faschistische Kräfte versuchten, Menschlichkeit zu ersticken, zeigte dieses Paar, dass Mut, Zuneigung und intellektuelle Neugierde unbezwingbare Waffen sein können.
Source: https://www.narratively.com/p/the-gay-black-american-who-stared