Die außergewöhnliche Geschichte von Reed Peggram

Reed Edwin Peggram, geboren 1914 im Stadtteil Boston, war kein gewöhnlicher Student. Als einer der wenigen Afroamerikaner in der Harvard‑Klasse von 1935 erlangte er akademische Auszeichnungen, bewies sprachliche Vielseitigkeit und entwickelte ein tiefes Interesse an Literatur und Philosophie. Sein Weg führte ihn bald aus den akademischen Hallen in ein weltpolitisches Schicksal, das kaum jemand vorausgesehen hätte.

Ein junger Intellektueller aus Boston

Schon in der Grundschule fiel Peggrams Präsenz auf: In den Klassenbüchern der Boston Latin School war er das einzige schwarze Gesicht. Trotz gesellschaftlicher Barrieren gehörte er zu den besten Vierteln seiner Klasse, sammelte Preise und erlangte schließlich ein Bachelor‑ und ein Masterstudium an der renommierten Universität. Sein Verstand, seine Eloquenz und seine Fähigkeit, vier Fremdsprachen zu beherrschen, machten ihn zu einem der vielversprechendsten Absolventen seiner Generation.

Flucht aus dem Konzentrationslager

Im Herbst 1944, am Rande der Apenninen in Italien, traf die 92. Infanteriedivision der US‑Armee auf zwei ausgemergelte Überlebende, die behaupteten, einem deutschen Lager entkommen zu sein. Der eine war blonder, schlanker und wirkte „wissenschaftlich“, der andere – Peggram – hatte braune Haut, eine leichte Statur und hielt dennoch eine stolze Haltung. Beide hatten zwei Jahre hinter Stacheldraht verbracht, waren durch Seen geschwommen, durch verschneite Berge gewandert und hatten in verfallenen Scheunen, Höhlen und bei örtlichen Partisanen Zuflucht gefunden.

Ihre Geschichte gelangte über die afroamerikanischen Zeitungen Call and Post, New York Amsterdam News und Baltimore Afro‑American zu einem breiten Publikum. Der Kriegskorrespondent Max Johnson schrieb provokative Schlagzeilen, doch er blieb skeptisch: Peggrams britischer Akzent ließ Zweifel an seiner US‑Staatsbürgerschaft aufkommen. Trotzdem hörte er nicht auf, die erstaunliche Loyalität zwischen den beiden Männern zu betonen – ein modernes „Damon und Pythias“, das selbst die faschistische Brutalität nicht zerschlagen konnte.

Eine Freundschaft jenseits aller Grenzen

Der Kern von Peggrams Erzählung war nicht das körperliche Elend, sondern der Verlust seines Harvard‑Diploms, das er nie ersetzen konnte, und das Symbol für eine Identität, die ihm mehr bedeutete als jede Medaille. Gerdh Hauptmann, sein dänischer Gefährte, stand fest an seiner Seite, und beide weigerten sich, einander zu verlassen. Ihre Bindung war gleichzeitig romantischer und platonischer Natur – ein mutiger Akt der Liebe, der in einer Ära von Rassismus und Homophobie wie ein leuchtender Funke wirkte.

Nachwirkungen und Vermächtnis

Nach der Befreiung kehrten die beiden Männer in die Vereinigten Staaten zurück, doch ihr Schicksal blieb von Unsicherheiten überschattet. Während Peggram in Boston ein zurückgezogenes Leben führte, blieb sein Vater, ein Veteran des Ersten Weltkriegs, bis zu dessen Tod im Jahr 1956 in einem Pflegeheim. Die Geschichte von Reed Peggram, die bald von Penguin Random House zu einem Buch ausgeweitet wird, dient heute als Mahnung an die Kraft von Freundschaft, Identität und unbeugsamem Mut angesichts des dunkelsten Totalitarismus.

Source: https://www.narratively.com/p/the-gay-black-american-who-stared

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