Ein mutiger Liebesvertrag im Schatten des Krieges
Im Frühjahr 1945, während die Welt noch von den Trümmern des Zweiten Weltkriegs erschüttert wurde, wagte ein junger Afroamerikaner aus Boston ein beinahe unmögliches Unterfangen: Er und sein dänischer Freund stellten sich den faschistischen Soldaten entgegen – nicht aus politischem Kalkül, sondern aus reiner, ungeheuer starker Zuneigung zueinander. Die Geschichte von Reed Edwin Peggram, einem brillanten Harvard‑Absolventen, und Gerdh Hauptmann, einem mutigen Forscher aus Kopenhagen, belegt, dass menschliche Verbundenheit selbst die brutalsten Regime erschüttern kann.
Der Ursprung einer außergewöhnlichen Freundschaft
Reed wuchs in Boston auf, war das einzige schwarze Mitglied der Boston Latin School und brillierte bereits früh im akademischen Wettbewerb. Trotz der schweren Kindheit – sein Vater hatte den Ersten Weltkrieg überlebt, war jedoch dauerhaft behindert – gelang es ihm, an die renommierte Harvard University zu kommen, wo er sich in Literatur, Linguistik und Philosophie auszeichnete. Dort traf er Gerdh, der ein Stipendium für ein Sprachstudium in Dänemark erhalten hatte. Die beiden fanden in ihrer gemeinsamen Neugier und ihrem unerschütterlichen Drang nach Wissen einander, und schnell entwickelte sich eine tiefe, intime Beziehung, die in jener konservativen Zeit kaum öffentlich anerkannt wurde.
Flucht durch das finstere Italien
Als die Alliierten 1944 die Apenninen erreichten, geriet die 92. Infanteriedivision der US-Armee – die erste afroamerikanische Division – in die Nähe einer alten Konzentrationslageranlage. Dort entdeckten Soldaten zwei erschöpfte Gestalten, die behaupteten, aus dem Lager geflohen zu sein. Reed, mit seiner scharfen Beobachtungsgabe und fließenden Sprachkenntnissen, und Gerdh, mit seinem kühlen Verstand, hatten nicht nur das Lager hinter sich gelassen, sondern auch ein mehrmonatiges perilöses Durchqueren der italienischen Berge überlebt. Sie schwammen durch zugefrorene Seen, froren in schneebedeckten Tälern und ernährten sich von Baumrinde, um den allgegenwärtigen Tod abzuwenden.
Die Begegnung mit dem amerikanischen Pressehaus
Der afroamerikanische Journalist Max Johnson berichtete umfassend über die beiden Geflüchteten in den afroamerikanischen Zeitungen Call and Post und New York Amsterdam News. Johnson stellte die Glaubwürdigkeit von Reeds Geschichte infrage – sein britischer Akzent passte nicht zu einem gebürtigen Bostoner. Doch die Details, die er erzählte, ließen keinen Zweifel: Reed hatte nicht nur sein Harvard‑Diplom, sondern auch den begehrten Phi‑Beta‑Kappa‑Ring verloren – ein Verlust, den er als ernster empfand als jede körperliche Misshandlung. Die Artikel betonten die Unzertrennlichkeit der beiden Männer und zogen Parallelen zu alten Legenden von Loyalität.
Ein Vermächtnis von Mut und Liebe
Nach dem Krieg kehrten beide nach Amerika zurück. Reed musste jedoch nicht nur mit den physischen Narben seiner Flucht leben, sondern auch mit einer Gesellschaft, die seine sexuelle Orientierung kaum akzeptierte. Gerdh, als Ausländer und Schwuler, stand vor zusätzlichen Hindernissen. Trotz aller Widerstände blieben sie einander treu, widmeten sich dem Schreiben, der Forschung und der Aufklärung über Rassismus und Homophobie – Themen, die bis heute relevant sind. Ihre Geschichte wird nun in einem Buch von Penguin Random House veröffentlicht und erinnert uns daran, dass Liebe, Mut und intellektuelle Neugier die dunkelsten Zeiten erhellen können.
Source: https://www.narratively.com/p/the-gay-black-american-who-stared