Einleitung

Die Euphorie um Künstliche Intelligenz hat in den USA einen wahren Bauboom ausgelöst – zumindest auf dem Papier. Laut Stanford gab es Ende letzten Jahres 5.427 Datencenter, und Unternehmen planen fast 4.000 neue Einrichtungen, um die wachsende Rechenleistung zu sichern. Doch die Realität sieht anders aus: Nur ein Bruchteil dieser Vorhaben wird tatsächlich gebaut, und die meisten Projekte geraten in erhebliche Verzögerungen.

Öffentliche Ablehnung und politische Gegenwehr

Eine aktuelle Gallup‑Umfrage zeigt, dass 71 % der Amerikaner gegen AI‑Datencenter in ihrer Nähe sind. Auf lokaler Ebene wurden bereits Gesetze erlassen, die den Bau solcher Anlagen verbieten oder stark einschränken. Diese gesellschaftliche Skepsis trägt zwar nicht direkt zu den Bauverzögerungen bei, verdeutlicht jedoch das schwierige Umfeld, in dem Entwickler operieren.

Statistiken zu Verzögerungen

Goldman Sachs weist darauf hin, dass historisch rund 72 % der geplanten Datencenter‑Kapazität termingerecht online gehen. Für AI‑Rechenzentren ist das jedoch ein Wunschtraum: Nur etwa die Hälfte der bis 2028 geplanten Kapazität soll laut Prognosen tatsächlich zum vorgesehenen Zeitpunkt bereitstehen. Die durchschnittliche Bauzeit von 18 bis 24 Monaten dehnt sich zunehmend aus, weil Material‑ und Fachkräftemangel das Tempo bremsen.

Materialengpässe

Der weltweite Bedarf an Baumaterialien ist durch die massive Nachfrage nach AI‑Infrastruktur explodiert. Lieferketten sind überlastet, und selbst grundlegende Komponenten wie Stahl und Beton sind schwer zu beschaffen. Zusätzlich fehlt es an den spezialisierten Chips, die in den Rechenzentren eingesetzt werden. Taiwanesischer Halbleiterhersteller TSMC, der fast alle führenden AI‑Chips produziert, stellt damit einen kritischen Engpass dar.

Energie‑ und Stromproblematik

AI‑Datencenter verbrauchen bereits rund 8 % des US‑Stroms; bis 2028 könnte dieser Anteil auf 12 % steigen. Viele Unternehmen versuchen, eigene Kraftwerke zu bauen, doch die Beschaffung von Transformatoren und Stromreglern hat sich verdreifacht. Die Inflation in diesen Bereichen ist nach Angaben des BLS die zweithöchste unter 47 gemessenen Kategorien. Gleichzeitig hat GE Vernova die Buchungen für Gasturbinen verdoppelt, was die Preisentwicklung weiter anheizt.

Realistische Aussichten

Obwohl Investoren im Jahr 2026 rund 750 Milliarden Dollar in AI‑Infrastruktur stecken, hat JPMorgan festgestellt, dass 60 % der für 2027 geplanten Kapazitäten noch nicht einmal mit dem Bau begonnen haben. Von den fast 4.000 angekündigten Zentren befinden sich lediglich 802 im Bau. Experten schätzen, dass von den geplanten 565 Gigawatt nur etwa 180 Gigawatt in den nächsten zehn Jahren realisiert werden – ein Drittel der ursprünglichen Prognosen.

Fazit

Der AI‑Datencenter‑Boom ist mehr ein Versprechen als gelebte Realität. Materialknappheit, Engpässe bei Halbleitern und ein überlastetes Stromnetz verlangsamen den Fortschritt erheblich. Während die Investitionen weiterhin in die Milliarden gehen, bleibt abzuwarten, wie viele der ambitionierten Projekte tatsächlich das Licht der Welt erblicken.

Source: https://edition.cnn.com/2026/08/06/business/ai-data-center-construction

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