Ein Sonderpreis für eine mutige Stalkerware-Untersuchung

Im Mai 2026 wurde ein Sonderpreis beim Datenschutz Medienpreis (DAME) verliehen – und zwar an den Recherchebeitrag "Vom Partner verwanzt" von den Journalist:innen Chris Köver und Martin Schwarzbeck. Die Auszeichnung wurde vom Deutschen Spendenrat mit einem Geldbetrag von 1.500 Euro dotiert und würdigt damit die gründliche Analyse einer der umstrittensten Überwachungs‑Apps, die derzeit im deutschen Markt kursiert.

Wie die Recherche entstand

Die beiden Reporter:innen gründeten ihre Arbeit auf einem Leak von Kundensupport‑Daten der App mSpy. Das Unternehmen vermarktet das Tool offiziell als Kinderüberwachungssoftware, doch die veröffentlichten Datensätze legen offen, dass die Anwendung vielfach zur heimlichen Kontrolle von Partner:innen und Ex‑Partner:innen verwendet wird. Köver und Schwarzbeck zeigten, dass die Täter:innen nicht nur die App installieren, sondern auch aktiv den Support kontaktieren, um technische Anleitungen zu erhalten, wie sie die Geräte ihrer Zielperson ausspähen können.

Warum die Jury den Preis vergab

Die Bewertungskommission betonte in ihrer Begründung, dass Datenschutz bereits im engsten privaten Umfeld beginnen muss. Der Beitrag macht klar, dass Überwachungssoftware nicht nur ein technisches Problem, sondern ein Instrument der Partnerschafts‑ und Famili gewalt ist. Durch das Aufdecken konkreter Fallbeispiele aus dem Leak wird deutlich, wie skrupellos einige Täter:innen ihre nächsten Bezugspersonen ins Visier nehmen – ein Umstand, der auch in Deutschland zunehmend beobachtet wird.

Ein Blick auf die Preisvergabe

Der Hauptpreis des DAME ging an das ARD‑KI‑Podcast‑Team um Fritz Espenlaub, Marie Kilg und Gregor Schmalzried für die Folge "Wie sicher sind meine KI‑Chats". Der zweite Preis wurde an die SWR‑Dokumentation "Achtung Fälscher! Auf der Spur von Ausweis‑Betrügern" von Claus Hanischdörfer vergeben, während der Jugendpreis an drei Schüler:innen für das Video "Cookies" ging. Der Sonderpreis für die Stalkerware‑Recherche hebt jedoch ein besonders gesellschaftlich relevantes Thema hervor, das bisher wenig mediale Aufmerksamkeit erhalten hat.

Fortsetzung der Berichterstattung

Der prämierten Beitrag ist Teil einer fortlaufenden Serie von Stalkerware‑Reports bei netzpolitik.org. Bereits im Februar 2026 veröffentlichten die Autor:innen eine erste Analyse, die den Einsatz von mSpy als Mittel der Partnerschafts­gewalt in Deutschland nachzeichnete und die rechtlichen Konsequenzen für Betroffene beleuchtete. Das Redaktionsteam betont, dass die Finanzierung ihrer Arbeit nahezu vollständig aus Spenden der Leserschaft erfolgt, wodurch eine unabhängige Berichterstattung gewährleistet wird.

Dank der Unterstützung von Leser:innen, Spender:innen und der anerkennenden Jury kann netzpolitik.org weiterhin investigativ arbeiten, Skandale aufdecken und Diskussionen über digitale Freiheitsrechte anstoßen.

Source: https://netzpolitik.org/2026/datenschutz-medienpreis-auszeichnung-fuer-unsere-stalkerware-recherche/

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