Einführung in die Problematik
Die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ermöglicht es, aus bestehenden Aufnahmen realistisch wirkende Pornoszenen zu generieren, ohne dass die abgebildeten Personen dafür ihr Einverständnis geben. Besonders stark betroffen sind die Menschen, die ihr Auskommen mit dem Verkauf ihrer eigenen erotischen Inhalte bestreiten. In einem Interview mit netzpolitik.org erläutert Ana Ornelas, Policy Officer der European Sex Workers’ Rights Alliance, wie diese digitale Form der Gewalt die Branche bedroht und gleichzeitig neue Einnahmequellen für betrügerische Akteur*innen schafft.
Wie Deepfakes entstehen und wer darunter leidet
Um ein sexualisiertes Deepfake zu produzieren, extrahieren Kriminelle das Gesicht einer bekannten Darsteller*in aus einer legitimen Aufnahme und fügen es in eine fremde Pornoszene ein. Moderne Algorithmen erzeugen dabei ein Ergebnis, das kaum noch von der Realität zu unterscheiden ist. Während früher noch unseriöse Seiten Gesichter von Prominenten auf Körper von Adult‑Stars montierten, sorgt die heutige Technologie dafür, dass das Endprodukt täuschend echt wirkt.
Verdopplung des Schadens
Für die ursprünglichen Performer*innen bedeutet das Doppelschlag‑Szenario: Erstens wird ihr Bildmaterial ohne Zustimmung missbraucht – ein klarer Verstoß gegen das Prinzip von Consent, das in der Branche grundlegend ist. Zweitens wird das gestohlene Material als Grundlage für kommerzielle Deepfakes benutzt, die über Plattformen wie OnlyFans oder Telegram von Dritten verkauft werden. Die Täter*innen erzielen damit Geld, während die eigentlichen Urheber*innen Einnahmen verlieren und ihr Ruf beschädigt wird.
Wirtschaftliche Konsequenzen für Sexarbeiter*innen
Der Lebensunterhalt vieler Adult‑Professionals beruht auf dem exklusiven Verkauf ihrer Aufnahmen. Sobald eine Datei in die Hände von Bot‑Betreibern gerät, kann sie unzählig kopiert und weiterverbreitet werden. Der daraus resultierende Einnahmeverlust ist für viele ein existenzielles Problem. Zudem erschwert die Präsenz falscher Inhalte die Beziehung zu ihrer Kundschaft, weil potenzielle Abnehmer nicht mehr sicher sein können, ob das, was sie beziehen, authentisch ist.
Politische Reaktionen und regulatorische Ansätze
Das öffentliche Interesse an digitaler Gewalt ist nach Enthüllungen wie der Spiegel‑Recherche zu Collien Fernandes deutlich gewachsen. Die Bundesregierung plant ein Gesetz, das die Erstellung von sexualisierten Deepfakes unter Strafe stellt. Allerdings fühlen sich die Betroffenen aus dem Pornobereich häufig übersehen, obwohl ihre Aufnahmen das eigentliche Trainingsmaterial für die KI darstellen.
Strategien der Selbsthilfe und Ausblick
Ana Ornelas arbeitet intensiv daran, Aufklärungskampagnen zu starten, Workshops zu digitalen Alterskontrollen abzuhalten und mit EU‑Abgeordneten über strengere Regularien zu diskutieren. Gemeinsam mit Organisationen wie AlgorithmWatch untersucht sie die Verbreitung von sogenannten Nudifier‑Apps, die jede Bilddatei in ein scheinbar nacktes Porträt verwandeln können. Ziel ist es, ein Netzwerk zu etablieren, das nicht nur rechtliche Unterstützung bietet, sondern auch technische Werkzeuge zur Erkennung und Entfernung von Deepfakes bereitstellt.
Der Kampf gegen die unkontrollierte Nutzung von pornografischen Inhalten ist noch lange nicht beendet. Solange KI‑Modelle auf ungeprüftes Bildmaterial trainieren, bleibt das Risiko einer Flut neuer, nicht‑einvernehmlicher Deepfakes bestehen. Ein breiter gesellschaftlicher Diskurs, der die Stimmen der Betroffenen einschließt, ist entscheidend, um wirksame Schutzmechanismen zu schaffen.
Source: https://netzpolitik.org/2026/gemeinsam-kaempfen-das-sagen-pornodarstellerinnen-zur-deepfake-flut/