Ein abruptes Ende der wichtigsten Menschenrechts‑Konferenz
Die RightsCon 2026, traditionell eine Plattform für Grund‑ und Menschenrechte im digitalen Zeitalter, sollte Ende April in Lusaka, Sambia, stattfinden. Mehr als 2.600 Teilnehmer aus über 750 Organisationen hatten bereits ihre Anreise geplant, während rund 1.100 weitere Personen virtuell teilnehmen wollten. Kurz vor dem Start jedoch kündigte die sambische Regierung eine Verschiebung an – und wenige Tage später wurde die Veranstaltung komplett abgesagt.
Der Auslöser: Politischer Druck aus Peking
Laut der Nichtregierungsorganisation Access Now übte die Volksrepublik China Druck auf die sambische Regierung aus, weil Vertreter*innen der taiwanesischen Zivilgesellschaft ihre Teilnahme vor Ort geplant hatten. Das Ministerium für Technologie und Wissenschaft hatte noch am 26. April die RightsCon begrüßt und die Möglichkeit hervorgehoben, Sambia als Vorreiter einer sicheren, inklusiven digitalen Zukunft zu positionieren. Einen Tag später erhielt Access Now jedoch telefonisch die Information, dass chinesische Diplomaten um die Entfernung taiwanesischer Gäste baten.
Die Reaktion der Organisatoren
Access Now wandte sich sofort an die taiwanesischen Delegierten und riet ihnen, ihre Anreise zu verschieben, bis Klarheit über die Situation herrsche. Gleichzeitig versuchte das Team, mit den sambischen Behörden zu verhandeln. Die Regierung stellte jedoch klar, dass die Konferenz nur weitergeführt werden könne, wenn Inhalte zensiert und bestimmte Gruppen – darunter die taiwanesischen Teilnehmer*innen – von der Teilnahme ausgeschlossen würden.
Rote Linie und Konsequenz
Die Organisatoren sahen in den geforderten Zugeständnissen einen Verstoß gegen ihre Prinzipien. „Das war unsere rote Linie“, erklärte Nikki Gladstone von Access Now gegenüber WIRED. Am 30. April entschieden sie schließlich, die RightsCon abzusagen, um die Unabhängigkeit und Integrität ihrer Arbeit zu wahren. Der Schritt löste weltweit Entsetzen aus, da die Veranstaltung als ein zentrales Forum für den Austausch über digitale Überwachung, Zensurtechnologien und Desinformation gilt.
Folgen für die digitale Menschenrechtsdebatte
Die Absage verhindert nicht nur den Austausch von Fachwissen, sondern signalisiert auch, dass autoritäre Staaten bereit sind, Druck auf Drittstaaten auszuüben, um ihre Interessen zu schützen. Besonders in Afrika, wo chinesische Technologieunternehmen zunehmend aktiv sind, wirft dies Fragen nach der Unabhängigkeit lokaler Regierungen und der Widerstandsfähigkeit von zivilgesellschaftlichen Initiativen auf.
Die RightsCon war zudem ein wichtiges Netzwerk‑Event für Aktivist*innen, Regierungen, Technologieunternehmen und internationale Organisationen. Das plötzliche Aus über Nacht hinterlässt ein logistisches und emotionales Vakuum bei mehr als 3.700 registrierten Teilnehmenden, die nun ihre Reisen umbuchen oder abgesagt haben müssen.
Ob und wann die RightsCon nachgeholt wird, bleibt unklar. Der Vorfall hat jedoch das Bewusstsein dafür geschärft, wie sehr geopolitische Spannungen die Gestaltung digitaler Menschenrechtsplattformen beeinträchtigen können.