Datenschutzskandal bei Wetter Online

Die beliebte Wetter-App, die allein im Google Play Store über 100 Millionen Mal heruntergeladen wurde, steht jetzt im Visier der nordrhein‑westlichen Datenschutzbehörde. Nachdem Recherchen von netzpolitik.org und der BR offenbarten, dass die Anwendung über Jahre hinweg präzise GPS‑Koordinaten ihrer Nutzer*innen sammelte, ohne dass diese hierzu eine wirksame Einwilligung gegeben hatten, hat die Landesbeauftragte für Datenschutz ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

Warum Standortdaten nicht nötig waren

Wettervorhersagen können theoretisch mit ungefähren Standortangaben funktionieren – eine Stadt‑ oder Postleitzahl reicht meist aus. Dennoch hat Wetter Online offenbar die exakten Koordinaten jedes Geräts erfasst und diese Daten an Dritte weitergeleitet. Laut Behördensprecherin Bettina Gayk wurden die gesammelten Informationen für Werbezwecke aufbereitet und an mehr als 800 Werbepartner übermittelt, obwohl die Datenschutzerklärung des Unternehmens keinerlei klare Zustimmung der Nutzer*innen dafür enthielt.

Die Ermittlungen und ein überraschender Kontrollbesuch

Im vergangenen Jahr führte die Datenschutzbehörde einen unangekündigten Besuch bei Wetter Online durch. Während die Unternehmensvertreter behaupteten, die Standortdaten ausschließlich für die eigenen Dienste zu nutzen, konnten die Ermittler belegen, dass es Schnittstellen gab, über die die Daten an externe Parteien flossen. Die Behörden bezeichnen diesen Vorgang als „Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz“ und betonen, dass ein Abbruch der Praxis bereits nach ersten Hinweisen möglich gewesen wäre.

Dokumentation und öffentlicher Diskurs

Die Enthüllungen fanden zudem Eingang in die ARD‑Doku „Gefährliche Apps – Im Netz der Datenhändler“. Der Film verdeutlicht, wie Apps wie Wetter Online zu einer Datenlieferkette beitragen, in der persönliche Standortinformationen zu Handelsware werden. Neben Wetter Online werden dort zahlreiche weitere Anwendungen genannt, die ähnliche Praktiken betreiben.

Ausmaß des globalen Datenhandels

Die Recherche-Teams von netzpolitik.org verfügen inzwischen über mehr als 13 Milliarden Standortdatensätze, die von Databrokern gesammelt wurden. Ein Beispiel aus dem Januar 2025 zeigte, dass ein einzelner Tag Zehntausende von Handys geortet wurden – ein beunruhigendes Bild eines Marktes, in dem persönliche Bewegungsprofile ohne Wissen der Betroffenen gehandelt werden.

Reaktion von Wetter Online

Auf aktuelle Anfragen verweigerte das Unternehmen eine Stellungnahme. Im Juni 2025 hatte es jedoch erklärt, keine GPS‑Daten zu verkaufen, und betonte, dass dies nicht Gegenstand der laufenden Untersuchung sei. Wie die gesammelten Informationen letztlich in die Hände von Databrokern gelangten, bleibt vage – das Unternehmen verweist auf laufende rechtliche Prozesse und bittet um Verständnis.

Der Ausgang des Bußgeldverfahrens ist derzeit noch unklar, doch das Vorgehen der Landesdatenschutzbehörde sendet ein klares Signal: Unbefugte Datensammlung und -weitergabe werden nicht toleriert. Für Nutzer*innen bedeutet das, die eigenen App‑Berechtigungen genauer zu prüfen und Datenschutz‑Einstellungen regelmäßig zu überprüfen.

Source: https://netzpolitik.org/2026/wegen-handy-standortdaten-wetter-online-droht-bussgeld/

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