Einleitung
Im Zeitalter des Online‑Handels proliferieren dubiose Angebote – von Abnehmpflastern, die in drei Wochen Bauchfett schmelzen sollen, bis hin zu beheizbaren Hoodies, die Verbrennungen riskieren. Solche irreführenden Werbungen verletzen das Verbraucher*innenrecht und sind laut dem Gesetz über digitale Dienste (DSA) illegal. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat sich seit einem halben Jahr als offizielle Meldestelle etabliert und agiert nun als sogenannter „Trusted Flagger“, also vertrauenswürdiger Hinweisgeber für Plattformen.
Rolle des vzbv als Trusted Flagger
Der vzbv erhält den Auftrag, illegale Inhalte zu erkennen, zu prüfen und den betroffenen Plattformen zu melden. Diese Meldungen haben nach DSA‑Recht Vorrang und müssen schnell bearbeitet werden. Im Gegensatz zu Meldungen durchschnittlicher Nutzer*innen gelten die Hinweise des vzbv als besonders qualifiziert, weil das Team über juristische Expertise und technische Erfahrung verfügt. Seit Juni bis Dezember 2025 hat die Initiative insgesamt 60 Verstöße gemeldet – von Instagram über Google, Amazon bis zu TikTok, AliExpress, Shein und Etsy.
Ergebnisse der Meldungen
Rund die Hälfte der gemeldeten Beiträge wurde von den Plattformen tatsächlich entfernt. Die andere Hälfte blieb online, oftmals ohne jegliche Rückmeldung. Besonders kritisch sieht der vzbv die langsame oder gar fehlende Reaktion großer Anbieter. „Plattformen kommen ihren Pflichten nur ungenügend nach“, kritisiert Ramona Pop, Vorständin des vzbv, und fordert klarere Vorgaben von der Europäischen Kommission sowie von der nationalen Koordinierungsstelle, die in Deutschland beim Digital Services Coordinator der Bundesnetzagentur sitzt.
Fallbeispiel Google
Von den 13 untersuchten Plattformen fällt Alphabet mit Google Ads und der Google‑Suche besonders negativ auf. Keine der gemeldeten Inhalte wurde gelöscht, und das Unternehmen reagiert teilweise überhaupt nicht auf die Hinweise. Deshalb hat der vzbv Beschwerde bei der nationalen Koordinierungsstelle eingereicht, die die Angelegenheit an die irische Koordinierungsstelle weitergeleitet hat. Dort wird derzeit geprüft, ob Alphabet gegen das DSA verstoßen hat.
Interne Herausforderungen
Das siebenköpfige Team des vzbv, geleitet von Dennis Romberg, berichtet von einer regelrechten Sisyphusarbeit. Anfangs musste geklärt werden, über welche Kanäle Meldungen an die jeweiligen Plattformen überhaupt eingereicht werden können. Auch nach der Einreichung zeigte sich kein Unterschied in der Bearbeitungspriorität im Vergleich zu Meldungen gewöhnlicher Nutzer*innen. Über die gesamte Beobachtungsphase hinweg ließ sich keine deutliche Verkürzung der Bearbeitungsdauer feststellen.
Ausblick und Forderungen
Der vzbv fordert einheitlichere und verbindlichere Standards für die Zusammenarbeit zwischen Trusted Flaggern und Online‑Plattformen. Nur wenn Plattformen konsequent und zügig auf qualifizierte Meldungen reagieren, kann der Schutz der Verbraucher*innen im Netz wirksam umgesetzt werden. Gleichzeitig wird betont, dass die europäische Aufsichtsstruktur weiter ausgebaut werden muss, um die Durchsetzung des DSA zu garantieren. Bis dahin bleibt die Arbeit des vzbv ein entscheidender Baustein im Kampf gegen digitale Betrugsmaschen und irreführende Werbung.