Ein Selbstexperiment mit der DSGVO

Die Datenschutz‑Grundverordnung (DSGVO) gibt jedem Bürger das Recht, von Unternehmen eine Kopie aller über ihn gespeicherten Daten zu erhalten. Zwei Softwareentwickler, Gregor Ziegltrum und Dennis Schulz, nutzten dieses Recht, um mehr als hundert Firmen zu kontaktieren und ihr digitales Ich Stück für Stück zusammenzusetzen.

Von der Idee zur Datenflut

Die Idee entstand, als beide unabhängig voneinander mit Spotify‑Daten experimentierten. Sie fragten sich, was noch alles in den Systemen großer Plattformen steckt und beschlossen, das Konzept zu erweitern. Das Ergebnis: über 150 Anfragen an Unternehmen wie Meta, Google‑Dienste, Uber, Banken, Krankenkassen und sogar das Bundeskriminalamt.

Der Weg zur Datenbeschaffung

Die eigentliche Anfrage war überraschend unkompliziert. Die meisten Unternehmen reagierten kooperativ und stellten die gewünschten Dateien bereit. Die eigentliche Hürde lag jedoch im administrativen Aufwand: Für jede Firma musste die korrekte E‑Mail‑Adresse oder das passende Service‑Portal eruiert werden. Einige Anbieter versuchten, Nutzer durch Warnhinweise davon abzuhalten, den „kompletten Datensatz“ anzufordern, indem sie auf vermeintlich unnütze Log‑Daten verwiesen.

Was die Daten verrieten

Die erhaltenen Datensätze umfassten jeweils mehr als 6 000 Dateien. Beim Durchforsten stießen die Entwickler auf überraschende Details: TikTok‑Statistiken, die zeigten, wie viele Videos bis zum Ende geschaut wurden, ein nie gemeldeter Nasenbeinbruch in den Krankenkassendaten und sogar Hinweise auf vergessene Fahrten mit Uber. Durch die Kombination von Social‑Media‑Informationen und anderen Quellen konnten sie ihre Interessenentwicklung über Jahre hinweg visualisieren und ihren Tagesablauf anhand von Log‑Einträgen rekonstruieren.

Lernmomente und Tipps für Nachahmer

Im Interview mit netzpolitik.org betonten Ziegltrum und Schulz, dass die DSGVO‑Anfrage ein mächtiges Werkzeug ist, das jedoch nicht ohne Vorbereitung genutzt werden sollte. Sie empfehlen, vorab eine klare Liste der gewünschten Daten zu erstellen, die jeweiligen Kontaktadressen zu recherchieren und bei unklaren Formulierungen nach dem „kompletten Datensatz“ zu fragen. Außerdem raten sie, die erhaltenen Dateien systematisch zu katalogisieren, um später Muster zu erkennen.

Fazit: Mehr Transparenz, mehr Verantwortung

Das Projekt zeigt, dass Unternehmen tatsächlich ein umfangreiches digitales Profil von uns pflegen – oft mehr, als uns bewusst ist. Durch das Ausüben des Rechts auf Datenportabilität können Nutzer nicht nur ihre eigene Online‑Identität besser verstehen, sondern auch Unternehmen dazu anhalten, transparenter zu agieren.

Source: https://netzpolitik.org/2026/interview-lasst-euch-nicht-mit-dem-ersten-datensatz-abspeisen/

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