Einleitung

Die Europäische Kommission will das Internet für Kinder sicherer machen – und plant dafür flächendeckende Altersverifikationen. Der Entwurf des EU Kids Act, der im September vorgestellt wurde, sieht vor, dass fast alle Online‑Dienste Nutzer*innen nach ihrem Alter prüfen, bevor sie Inhalte bereitstellen. Während die Idee, Minderjährige vor schädlichen Kontakten zu schützen, auf den ersten Blick positiv klingt, löst das Vorhaben bereits jetzt heftige Debatten aus. Zahlreiche Verbände, Experten und digitale Aktivist*innen äußern Bedenken, die von technischen Hürden bis hin zu grundsätzlichen Datenschutz‑ und Grundrechtsfragen reichen.

Ziele des EU Kids Act

Der Gesetzentwurf will sicherstellen, dass soziale Netzwerke, Video‑Plattformen, Chat‑Bots, Apps und Spiele in einer kindgerechten Version angeboten werden. Anbieter sollen verpflichtet werden, Nutzer*innen, die als potenziell gefährdet gelten – etwa weil sie von Fremden kontaktiert werden können – wie Minderjährige zu behandeln, bis das Gegenteil bewiesen ist. Neben Altersnachweisen sollen auch Nachweise der Sorgeberechtigung verlangt werden, etwa wenn Eltern für ihre Kinder eingeschränkte Konten bei TikTok anlegen wollen.

Kritik von Kinder‑ und Elternverbänden

Der Kinderschutzbund warnt, dass die technischen Lösungen für die geforderten Altersprüfungen noch nicht ausgereift seien. „Es gibt kein Verfahren, das gleichzeitig zuverlässig, datensparsam, sicher und diskriminierungsfrei funktioniert“, erklärt Elena Frense. Das Deutsche Kinderhilfswerk kritisiert, dass die Regelungen die Rechte von Kindern, die zu Hause wenig Unterstützung erhalten, weiter einschränken könnten, weil der Zugang zu digitalen Räumen dann allein von der Zustimmung der Eltern abhängt.

Technische und datenschutzrechtliche Bedenken

Die vorgeschlagenen Methoden reichen von klassischen Ausweisdokumenten bis hin zu biometrischen Gesichtsscans. Beide Ansätze bergen Risiken: Ausweisdaten könnten in falsche Hände geraten, während Gesichtserkennungssysteme häufig ungenau sind und diskriminierende Fehlerraten aufweisen. Der Chaos Computer Club und Datenschutz‑Experten betonen, dass eine flächendeckende Infrastruktur zur Speicherung und Verarbeitung solcher sensiblen Daten ein attraktives Ziel für Hacker darstelle und die Privatsphäre aller Internetnutzer*innen gefährde.

Ausblick und mögliche Alternativen

Statt einer generellen Altersverifikation fordern viele Akteur*innen den Ausbau von Jugendschutz‑Software, die Eltern nach eigenem Ermessen installieren können. Solche Tools könnten gezielt für einzelne Geräte eingesetzt werden, ohne dass persönliche Daten zentral gesammelt werden. Zudem wird gefordert, dass die EU‑Verhandlungen transparent geführt und die betroffenen Interessengruppen frühzeitig einbezogen werden, um praktikable und verhältnismäßige Lösungen zu finden.

Der EU‑Parlament und der Ministerrat stehen nun vor der Aufgabe, die zahlreichen Einwände zu prüfen und einen Kompromiss zu erarbeiten, der sowohl den Schutz von Kindern als auch die Grundrechte der gesamten Online‑Gemeinschaft wahrt.

Source: https://netzpolitik.org/2026/gefaehrlicher-kontrollzirkus-so-breit-ist-die-kritik-an-alterskontrollen-im-eu-kids-act/

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