Rückblick auf die 39. Kalenderwoche

Die 39. Kalenderwoche ist zu Ende gegangen – und sie hat ein politisches Feuerwerk entfacht, das kaum zu überbieten ist. In nur elf neuen Beiträgen wurden über 74.000 Zeichen veröffentlicht, die das Geschehen rund um die Berliner Landtagswahl, die Reaktionen aus Medien und Parteien sowie die sich zuspitzende Antisemitismusdebatte beleuchten.

Ein überraschender Wahlsieg

Die Linkspartei hat mit einem klaren Fokus auf bezahlbare Mieten und soziale Gerechtigkeit den Nerv vieler Berliner*innen getroffen. Besonders in jungen Stadtteilen erzielte sie fast die absolute Mehrheit und setzte damit ein starkes Signal gegen die AfD, die in der Hauptstadt bislang nur mäßige Fortschritte verzeichnen konnte. Der Erfolg wurde von Teilen der Hauptstadtpresse und von Politikern auf Plattform X mit einer Mischung aus Begeisterung, Furcht und teils grotesken Szenarien kommentiert – von der Angst vor einer „roten Diktatur“ bis hin zu apokalyptischen Warnungen, dass Hamas und Hisbollah Berlin regieren könnten.

Reaktionen aus dem rechten Lager

Die Gegenstimmen ließen nicht lange auf sich warten. Fernsehmoderator Jörg Thadeusz nutzte die Prime‑Time, um die Parole „Wehret den Anfängen“ – ursprünglich gegen den Rechtsradikalismus gerichtet – nun gegen die Linkspartei zu richten. SPD‑Altbürgermeister Michael Müller warf seiner Partei vor, sie würde sich mit „Antisemiten und Terroristen“ verbünden. Auch Vertreter*innen der Grünen mischten sich ein, sodass ein landesweiter Panikmodus entstand.

Instrumentalisierung von Antisemitismus

Ein zentrales Element der Gegenkampagne ist die gezielte Nutzung des Antisemitismus‑Themas. Einige Medien und Politiker*innen stellen die Sicherheit jüdischer Bürger*innen in den Vordergrund, während sie den Antisemitismus‑Befund auf Muslime und Linke einschränken. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass Antisemitismus in allen politischen Lagern vorkommt – mit der höchsten Konzentration in der AfD, gefolgt von Union und SPD. Auch innerhalb der Linkspartei gibt es vereinzelte antisemitische Tendenzen, von denen sich die Partei klar distanzieren und aktiv bekämpfen muss.

Der „Hufeisenwurf“ als Metapher

Der Begriff „Hufeisenwurf“ wurde in der Berichterstattung zu einem Symbol für die aggressive Diskreditierung beider Extreme. Bereits am Wahlabend wurde das Hufeisen mit voller Wucht geworfen, um die „Ränder“ zu stärken und die vermeintlich vernünftige Mitte zu zermalmen. Dieser Ton setzte sich in nachfolgenden Debatten fort, etwa bei der Diskussion um die Geheimdienstreform, wo Innenminister Alexander Dobrindt versuchte, die Linkspartei und die AfD in einen Topf zu werfen.

Ausblick

Die Wahl hat nicht nur die politische Landschaft Berlins neu gezeichnet, sondern auch die Art und Weise, wie Themen wie Antisemitismus und gesellschaftliche Polarisierung diskutiert werden. Während die Linkspartei nun die Chance hat, ihre Agenda umzusetzen, bleibt abzuwarten, wie stark die Gegenreaktionen das politische Klima weiter vergiften werden.

Source: https://netzpolitik.org/2026/kw-39-die-woche-in-der-mit-hufeisen-geworfen-wird/

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