Wahlverlauf und Ergebnis
Am vergangenen Freitag hat der ZDF‑Fernsehrat Norbert Himmler für weitere fünf Jahre als Intendant des öffentlich-rechtlichen Senders bestätigt. Das Ergebnis überraschte, weil auf dem Stimmzettel lediglich ein einziger Name stand und dieser mit über 90 Prozent der abgegebenen Stimmen angenommen wurde. Die Vorgangsweise, bei der die Wähler nur die Optionen Ja, Nein oder Enthaltung ankreuzen konnten, löste bereits unmittelbar nach Bekanntgabe heftige Debatten aus.
Hintergrund der Kandidatur
Ursprünglich war die Kandidatur von Floria Fee Fassihi angekündigt worden, die jedoch kurz vor der Abstimmung zurückzog. Damit blieb Himmler als einziger Anwärter übrig. Die Situation unterschied sich stark von der Intendantenwahl vor fünf Jahren, als damals eine enge Auseinandersetzung zwischen Himmler und Tina Hassel, Leiterin des ARD‑Hauptstadtstudios, stattfand. Während diese Wahl erst nach mehreren Wahlgängen und dem Rückzug von Hassel zu einem Ergebnis geführt hatte, wirkte das aktuelle Verfahren wie ein Formalverfahren ohne echte Auswahl.
Kritik aus Medien und Politik
Die Entscheidung, einen Kandidaten ohne Gegenkandidat zu bestätigen, zog Kritik aus verschiedenen Richtungen nach sich. Besonders auffällig war, dass die meisten scharfen Kommentare aus konservativen und teilweise rechtsäußerlichen Kreisen kamen. Wolfgang Kubicki beschwerte sich in der BILD über einen "intransparenten Muff" und forderte mehr Demokratie im Prozess. Auch im Cicero und in der FAZ bezeichneten Kommentatoren die Wahl als Farce. Diese Reaktionen erscheinen paradox, da der Kandidat selbst von der konservativen Fraktion des Fernsehrates vorgeschlagen wurde.
Formelles Verfahren – ist es wirklich demokratisch?
Die Wahlsatzung des ZDF sah eine öffentliche Ausschreibung des Intendantenamtes zwischen dem 5. und 30. Januar 2026 vor. Jede in Deutschland ansässige, geschäftsfähige Person konnte sich bewerben. Anschließend wurden die eingegangenen Bewerbungen von allen Mitgliedern des Fernsehrats geprüft. Insgesamt lagen sieben Bewerbungen vor, von denen jedoch nur Himmler die notwendige Unterstützung erhielt, um zur Wahl zugelassen zu werden. Laut § 5 Abs. 4 der ZDF‑Wahlsatzung hätte theoretisch jede Bewerbung mit mindestens einer Befürwortung die Möglichkeit erhalten, im Plenum vorgestellt zu werden.
Obwohl die formalen Hürden niedrig waren, blieb die Praxis der Kandidatenauswahl stark von internen Fraktionszugehörigkeiten geprägt. Der „schwarze" Freundeskreis, vertreten durch Christiane Schenderlein, stellte Himmler vor, während der "rote" Kreis keinerlei Alternative einbrachte. Das Fehlen einer echten Konkurrenz lässt die Frage offen, ob das Gremium seine eigene demokratische Legitimation ausreichend wahrt.
Ausblick und offene Fragen
Die Kontroverse wirft grundsätzliche Fragen zur Transparenz und Partizipation innerhalb des Fernsehrats auf. Soll das Auswahlverfahren künftig stärker geöffnet werden, um ein breiteres Spektrum an Kandidaten zu ermöglichen? Welche Rolle spielt die interne Fraktionsbildung bei der Besetzung von Schlüsselpositionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Und wie können kritische Stimmen aus allen politischen Lagern in den Entscheidungsprozess eingebunden werden, ohne den Verwaltungsaufwand zu sprengen?
Die Diskussion um die ZDF‑Intendantenwahl bleibt ein Spiegelbild größerer Debatten über die demokratische Steuerung von Medieninstitutionen in Deutschland.
Source: https://netzpolitik.org/2026/neues-aus-dem-fernsehrat-114-der-alte/#comments