Einleitung
In den letzten Monaten hat sich ein neuer Trend im Sportinvestment abgezeichnet: Risikokapitalfirmen, die traditionell in Technologie-Start‑ups investieren, übernehmen nun Anteile an Profi‑Sportfranchises. Während die bekannten Namen Joshua Kushners Thrive Capital und sein Spezialfonds Thrive Eternal bereits mit den San Francisco Giants und den Los Angeles Lakers für Aufsehen gesorgt haben, folgt nun das New‑York‑basierte Collaborative Fund mit einem überraschenden Schritt – einem Anteil am Fußballklub D.C. United und dessen Heimstadion Audi Field.
Wie Venture‑Capital den Sport erobert
Historisch wurden Profi‑Sportteams entweder von einzelnen Milliardären oder von Private‑Equity‑Gesellschaften gekauft. Beispiele hierfür sind Vinod Khoslas Familie, die die Seattle Seahawks für fast 10 Milliarden Dollar erwarb, oder die Beteiligungen von Sixth Street, Ares und RedBird an verschiedenen NFL‑, NBA‑ und MLB‑Franchises. Diese Modelle setzen meist auf reine Eigentums‑ oder Finanzierungsstrukturen.
Thrive Capital hat das Spiel neu definiert, indem es einen eigenständigen, dauerhaften Kapitalvehikel – Thrive Eternal – geschaffen hat, der ausschließlich ikonische Sport‑ und Kultur‑Assets halten soll. Der Fonds sammelte Geld von denselben Investoren, die bereits in Thrive‑Venture‑ und Wachstumsfonds investieren, und nutzte dieses Kapital, um zunächst einen kleinen Anteil an den San Francisco Giants zu erwerben. Kurz darauf folgte ein historischer Deal: Der Kauf der Los Angeles Lakers für rekordverdächtige 12,5 Milliarden Dollar.
Collaborative Fund: Ein anderer Ansatz
Im Gegensatz zu Thrive nutzt das Collaborative Fund seine regulären Frühphasen‑Investitionen, um in den Sport einzusteigen. In einem internen Memo erklärte Gründer Craig Shapiro, dass ein Franchise das „ultimative Konsumprodukt“ sei. Für ihn bedeutet die Beteiligung an D.C. United nicht nur ein finanzielles Asset, sondern eine Plattform, um das eigene Portfolio zu präsentieren.
Der Fonds plant, Audi Field zu einem lebendigen Showroom für seine Portfoliounternehmen zu machen. So könnten Wearable‑Hersteller wie Whoop ihre Geräte direkt im Stadion testen, während die Erfrischungsmarke Olipop in den Spieltagsverkaufsständen zu finden wäre. Diese Integration von Produkt‑ und Markenaktivierungen schafft eine symbiotische Beziehung zwischen Sport und Technologie‑Start‑ups.
Strategische Vorteile
Shapiro betont die günstigen Rahmenbedingungen für den US‑Fußball: Die bevorstehende Weltmeisterschaft, die Olympischen Spiele in Los Angeles und ein starkes Wachstum der Jugendsportbeteiligung. Zudem bietet die Lage von Audi Field in Washington, D.C. – zusammen mit einem Talent‑Entwicklungspool in Loudoun County, Virginia – ein attraktives Umfeld für langfristige Fan‑Bindung und Markenaufbau.
Durch die Kombination von Stadion‑Infrastruktur und Portfoliounternehmen kann das Collaborative Fund neue Einnahmequellen erschließen, die über klassische Ticketverkäufe und Sponsoring‑Deals hinausgehen. Dieser Ansatz könnte als Modell für weitere VC‑Fonds dienen, die nach innovativen Wegen suchen, ihr Kapital zu diversifizieren.
Fazit
Während Thrive Capital mit einem dedizierten, langfristigen Fonds die klassische Eigentumsstrategie verfolgt, experimentiert das Collaborative Fund mit einer hybriden Form, bei der das Sportteam als lebendige Werbefläche für das eigene Portfolio dient. Beide Modelle zeigen, dass Risikokapitalfirmen zunehmend bereit sind, in den prestigeträchtigen und emotional aufgeladenen Markt des Profi‑Sports zu investieren – und dabei neue Wege zu beschreiten, die über reine Finanzinvestitionen hinausgehen.