Unerwartete Personalentscheidung bei Automattic

In einer überraschenden Wendung hat der Verwaltungsrat von Automattic, dem Mutterkonzern von WordPress.com, den Gründer und CEO Matt Mullenweg gegen seinen Willen in eine bezahlte Auszeit geschickt. Die Information stammt aus einem internen Slack‑Channel, den sämtliche Mitarbeitenden einsehen konnten.

Wie die Entscheidung kommuniziert wurde

Mittwochmorgen postete Mullenweg selbst eine Nachricht, in der er erklärte, dass der Finanzvorstand Mark Davies zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Ann Dunwoody, Toni Schneider und Sue Decker hinter seinem Rücken abgestimmt habe, ihn in den bezahlten Urlaub zu schicken. Er betonte, dass er gegen den Beschluss gestimmt habe und um rechtliche Beratung gebeten wurde – ein Antrag, der jedoch abgelehnt wurde.

Interimslösung und Auswirkungen auf WordPress.org

Mark Davies wurde sofort zum Interims‑CEO ernannt. Trotz der internen Turbulenzen versicherte die Geschäftsführerin des Open‑Source‑Projekts WordPress.org, Mary Hubbard, dass das Projekt selbst unverändert weitergeführt wird und Mullenweg weiterhin dessen Leiter bleibt. Die Trennung zwischen dem kommerziellen Unternehmen und der gemeinnützigen Community soll demnach klar bleiben.

Hintergrund: Rechtsstreitigkeiten und frühere Kontroversen

Die Personalmaßnahme fällt in eine Phase, in der Automattic bereits mehrere Krisen durchlebt hat. Seit 2024 befindet sich das Unternehmen in einem langwierigen Rechtsstreit mit WP Engine, einem Konkurrenten im WordPress‑Hosting‑Markt. Mullenweg hatte WP Engine beschuldigt, von der Open‑Source‑Plattform zu profitieren, ohne angemessene Gegenleistungen zu erbringen, und forderte eine Lizenzgebühr von 8 % des monatlichen Umsatzes. WP Engine reagierte mit einer Gegenklage wegen Verleumdung und Machtmissbrauch, worauf Automattic ebenfalls Gegenansprüche stellte.

Im selben Zeitraum kam es zu internen Spannungen: 2024 forderte Mullenweg Mitarbeitende, die seiner Vision nicht folgten, zu kündigen – 159 Personen nutzten das Angebot. Zudem deaktivierte er Konten mehrerer aktiver WordPress‑Community‑Mitglieder, die angeblich an einer Fork‑Version des Projekts arbeiten wollten, obwohl diese die Vorwürfe zurückwiesen.

Personelle Einschnitte und Ausblick

Im April 2025 musste Automattic 16 % seiner Belegschaft entlassen, darunter langjährige Angestellte. Die Kombination aus juristischen Auseinandersetzungen, internen Machtkämpfen und nun der Zwangspause des Gründers wirft ein Schlaglicht auf die strukturellen Herausforderungen des Unternehmens. Beobachter fragen sich, ob die neue Führung unter Mark Davies das Vertrauen der Entwickler‑Community und der Kunden zurückgewinnen kann.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob Automattic seine strategische Ausrichtung neu definieren kann, ohne die offene Kultur, die WordPress zu einem der beliebtesten Content‑Management‑Systeme der Welt gemacht hat, zu gefährden.

Source: https://techcrunch.com/2026/09/09/automattics-board-forces-ceo-matt-mullenweg-into-leave-of-absence/

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