Einführung

Viele Menschen erleben, dass das Abnehmen trotz kalorienarmer Kost und intensiver Bewegung kaum vorankommt. Neuere Forschungsergebnisse aus Japan geben Aufschluss darüber, warum das Körperfett scheinbar ein eigenes Erinnerungsvermögen besitzt und damit den Gewichtsverlust erschwert.

Das zelluläre Gedächtnis von Fettgewebe

Im Fettgewebe leben nicht nur Speicherzellen, sondern auch zahlreiche Immunzellen, die abgestorbene Fettzellen entsorgen. Diese Aufräumzellen, sogenannte Makrophagen, werden bei Übergewicht immer stärker beansprucht, weil mehr Fettzellen sterben. Die Studie zeigte, dass diese Zellen nach einer Diät ihre Funktionsweise nicht vollständig zurücksetzen – sie behalten eine Art „Erinnerung“ an das frühere Übergewicht bei.

Mechanismus der fehlerhaften Makrophagen

Auf molekularer Ebene entsteht das Problem beim Kopieren und Zusammenfügen von Genabschnitten. Bei übergewichtigen Mäusen geriet dieser Prozess aus dem Gleichgewicht, sodass ein wichtiges Protein, das eine Greifarm‑Struktur bildet, in einer verkürzten Variante produziert wird. Diese verkürzte Form kann nicht mehr an die Zellmembran gelangen, wo sie normalerweise tote Zellen erfasst und abbaut. Das Ergebnis: abgestorbene Zellen sammeln sich an, die Freisetzung von Inosine – einem Signalstoff, der die Fettverbrennung anregt – wird reduziert, und der Stoffwechsel verlangsamt sich.

Experimentelle Korrektur bei Mäusen

Die Forscher setzten zwei Gegenmaßnahmen ein. Zum einen injizierten sie Inosine, wodurch die betroffenen Mäuse schneller Gewicht verloren, obwohl ihr Fettgewebe weiterhin defekt war. Zum anderen entwickelten sie ein kleines, künstliches Molekül, das die fehlerhafte Proteinvariante blockierte. Dadurch gelang es den Makrophagen, wieder korrekt an die Zellwand zu binden, abgestorbene Zellen zu entfernen und die Inosine‑Freisetzung zu steigern. Die Tiere verloren daraufhin deutlich mehr Bauchfett.

Übertragung auf den Menschen

Bei menschlichen Bauchfettproben zeigte sich ein ähnliches Muster: Schlanke Probanden verfügten über das vollständige, funktionelle Protein, während bei adipösen Personen die verkürzte Variante dominierte. In Zellkulturen führte das gezielte Ausschalten des Proteins zu denselben Störungen wie bei den Mäusen. Allerdings beruhen die menschlichen Daten bislang nur auf 38 Gewebeproben und In‑Vitro‑Experimente, sodass ein kausaler Zusammenhang noch nicht endgültig belegt ist.

Ausblick und offene Fragen

Die Ergebnisse legen nahe, dass zukünftige Therapien nicht nur den Kalorienverbrauch, sondern auch die Reparaturmechanismen des Fettgewebes ansprechen sollten. Wichtig wäre ein diagnostisches Verfahren, das erkennt, bei welchen Patienten die Aufräumzellen fehlerhaft arbeiten, um gezielte Interventionen zu ermöglichen. Bislang ist jedoch unklar, ob die experimentellen Mittel beim Menschen sicher und wirksam eingesetzt werden können.

Source: https://scientias.nl/waarom-afvallen-zo-moeizaam-gaat-je-vetweefsel-onthoudt-overgewicht/

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