Einleitung

Weltweit wird seit Jahrhunderten fruchtbares Grasland für Ackerbau, Viehzucht oder Siedlungen umgewandelt. Man geht häufig davon aus, dass die Natur nach einer Ruhephase von selbst zurückkehrt. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass einmal zerstörte Prärien und Savannen selbst nach mehreren Jahrhunderten nicht zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückkehren.

Bedeutung von Grasland

Graslandschaften sind weit mehr als karge, baumlose Ebenen. Unter der Oberfläche erstrecken sich dichte Wurzelsysteme, die Überschwemmungen mindern, Bodenerosion verhindern und etwa ein Drittel des weltweiten, landgebundenen Kohlenstoffs speichern. Sie liefern Futter für Nutztiere, bieten Lebensraum für spezialisierte Arten wie die nordamerikanischen Bisons und bedecken fast ein Viertel der Erdoberfläche. Mehr als eine Milliarde Menschen sind unmittelbar vom Erhalt dieser Ökosysteme abhängig.

Globaler Verlust

Die eurasische Steppe, die sich über 8.000 km von Ungarn bis nach China erstreckt, die Great Plains in Nordamerika oder die afrikanische Savanne – all diese Regionen haben in den letzten Jahrhunderten massive Flächen an landwirtschaftliche Nutzung, Plantagen oder Siedlungen verloren. In Brasilien schrumpft die artenreiche Cerrado‑Savanne alle drei Monate um ein Gebiet von der Größe der Provinz Utrecht. Indiens Savannen gingen von 40 auf 24 Millionen Hektar zurück, und in Nordamerika ist weniger als die Hälfte des ursprünglichen Präriegebiets erhalten.

Langsames Wiederaufleben

Gleichzeitig werden weltweit Millionen Hektar Ackerland aufgegeben, was Potenzial für neue Grasflächen schafft. Frühere Studien von Ashish Nerlekar (Michigan State University) zeigten, dass neu entstandenes Grasland Jahrzehnte benötigt, um die Artenvielfalt alter Ökosysteme zu erreichen – und selbst nach Jahrhunderten fehlen bestimmte Pflanzenarten.

Analyse von 742 Arten

Ein internationales Team verglich unberührtes, altes Grasland mit wiederhergestelltem, jüngeren Land in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Die Ergebnisse waren überraschend einheitlich: Über Kontinente hinweg unterscheiden sich die Artenzusammensetzung und das Wachstumssystem deutlich.

Ursachen des Scheiterns

Beim Umgraben alter Prärien verschwinden vor allem langlebige, robuste Mehrjährige mit ledrigen Blättern. Diese Pflanzen besitzen Eigenschaften, die sie gegen Trockenheit, Weide oder Feuer resistent machen. Ihre langsame Wachstumsrate jedoch macht sie im Konkurrenzkampf mit schnell wachsenden, kurzlebigen Arten benachteiligt.

Stattdessen dominieren rasch wachsende Einjährige wie die weiße Gänsefuß, die Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe aggressiv anzapfen. Sie wachsen höher, beschatten Nachbarn und sichern sich so das Sonnenlicht. Selbst nach 300 Jahren überragen manche dieser Pioniere noch immer die ursprünglichen Arten.

Aktives Wiederherstellen nötig

Die Studie erklärt, warum beschädigtes Grasland selten von selbst zu seiner früheren Artenvielfalt zurückkehrt. Um die ökologischen Funktionen – Kohlenstoffspeicherung, Erosionsschutz und Biodiversität – wiederherzustellen, sind gezielte Maßnahmen erforderlich: Wiederansiedlung langlebiger Mehrjähriger, kontrollierte Beweidung und langfristige Schutzstrategien.

Nur durch ein bewusstes Management kann verhindert werden, dass wertvolle Ökosysteme endgültig verloren gehen.

Source: https://scientias.nl/veel-grasland-is-omgeploegd-en-zelfs-na-honderden-jaren-is-het-niet-hersteld/

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