Ein Blick in die Frühzeit der Milchstraße
Vor rund 12,3 Milliarden Jahren verschlang unser junger Milchstraßen‑Kern ein riesiges Sternensystem, das bislang nur in theoretischen Modellen existierte. Die neue Studie, veröffentlicht in Nature Astronomy, liefert erstmals harte Beweise für dieses gewaltige Ereignis. Während die Milchstraße heute als relativ ruhige Spirale erscheint, war ihr Anfang von heftigen Zusammenstößen geprägt, die ihre heutige Struktur maßgeblich beeinflussten.
Globularen als kosmische Zeitmesser
Forscher aus mehreren Ländern setzten auf kugelförmige Sternhaufen – die sogenannten Globularen – um das Alter verschiedener Sternpopulationen zu bestimmen. Im Gegensatz zu einzelnen Sternen erlauben diese Haufen eine präzisere Altersbestimmung und geben Aufschluss über die Menge an schweren Elementen, die bereits im interstellaren Medium vorhanden waren. Je länger ein System Sterne bildete, desto reicher wird es an Metallen, die bei Supernova‑Explosionen freigesetzt werden.
Die drei chemischen Linien
Die Analyse von 17 neuen und 22 bereits bekannten Globularen offenbarte drei deutlich getrennte chemische Trends. Die erste Linie gehört eindeutig zur Milchstraße selbst. Die zweite ist mit dem bekannten Zwerggalaxien‑Remnant „Gaia‑Sausage‑Enceladus“ (GSE) verknüpft, das vor etwa zehn Milliarden Jahren verschmolz und vermutlich für die dicke Scheibe unseres Galaxienkörpers verantwortlich ist.
Die überraschendste Entdeckung ist die dritte Linie, die aus zwölf Globularen nahe dem galaktischen Zentrum stammt. Ihre chemische Signatur lässt darauf schließen, dass ein weiteres, etwa 500 Millionen Sterne umfassendes System die Milchstraße traf – in etwa so groß wie GSE, jedoch zu einem Zeitpunkt, als die Milchstraße selbst noch ein viel kleineres Gebilde war.
Ein zeitlicher Rahmen
Die Forscher schätzen, dass diese Kollision etwa 1,8 Milliarden Jahre vor dem GSE‑Ereignis stattfand. Der Zeitpunkt lässt sich über das Ende der Globularen‑Bildung im betroffenen Sternensystem bestimmen, wobei frühere Studien eine Unsicherheit von bis zu 1,5 Milliarden Jahren zulassen. Damit war die Milchstraße bereits im Aufbau, und der Aufprall dürfte ihr zentrales Bulge‑Gebilde stark beeinflusst haben.
Folgen und offene Fragen
Die Studie schließt nicht aus, dass weitere, kleinere Galaxien verschluckt wurden. Solche Objekte könnten entweder keine eigenen Globularen mitgebracht haben oder deren Haufen wurden im Zuge der Kollision zerstört. Die angewandte Methode ist daher nicht in der Lage, alle vergangenen Fressattacken zu rekonstruieren, doch sie eröffnet einen neuen Blickwinkel auf die frühesten Wachstumsphasen unserer Heimatgalaxie.
Source: https://scientias.nl/dit-was-de-hardste-dreun-die-de-melkweg-ooit-te-verwerken-kreeg/