Was steckt hinter ADHD?

In einer aktuellen Folge von „Universität der Niederlande“ erklärt die Neurowissenschaftlerin Lara Wierenga von der Universität Leiden, was die Aufmerksamkeits‑Defizit‑Hyperaktivitäts‑Störung (ADHD) ausmacht. Sie betont, dass ADHD kein einheitliches Bild liefert, sondern ein Spektrum von Symptomen, das von reiner Unaufmerksamkeit bis zu ausgeprägter Hyperaktivität reicht.

Von ADD zu ADHD – ein Namenswandel

Früher wurde die Aufmerksamkeits‑Störung häufig als ADD (Attention Deficit Disorder) bezeichnet. Heute fasst das diagnostische Handbuch DSM alle Formen unter dem Oberbegriff ADHD zusammen. Die früheren „ADD‑Fälle“ fallen meist in den inattentiven Subtyp, der keine übermäßige motorische Unruhe zeigt.

Mehr Diagnosen oder mehr Bewusstsein?

Statistiken zeigen, dass die Zahl der gemeldeten Fälle in den letzten Jahren relativ stabil bleibt. Was sich jedoch ändert, ist das wachsende Bewusstsein: Betroffene erkennen ihre Symptome besser und suchen früher professionelle Hilfe. Besonders bei Frauen besteht nach wie vor ein Erkennungsdefizit, weil ihre Symptome häufig weniger offensichtlich sind und häufig maskiert werden.

ADHD und Autismus – wo liegen die Unterschiede?

Obwohl beide Störungen im Bereich der Neurodiversität verortet werden, handelt es sich um unterschiedliche Klassifikationen. Einzelne Merkmale können sich überschneiden, weshalb Experten heute eher das gesamte Bild der Beschwerden und Stärken betrachten, anstatt sich ausschließlich auf ein Etikett zu fixieren.

Die positiven Seiten: Kreativität und Flexibilität

Neuere Studien beleuchten zunehmend die vorteilhaften Eigenschaften von Menschen mit ADHD. Häufig werden Kreativität, flexibles Denken und die Fähigkeit, in dynamischen Umgebungen zu gedeihen, genannt. Viele Betroffene wählen Berufe im kreativen oder freien Sektor, weil sie dort ihre Energie und Ideen optimal einsetzen können.

Medikamentöse Behandlung – Fluch oder Segen?

Die Einnahme von Stimulanzien kann die Konzentration verbessern, aber sie kann auch die emotionale Bandbreite einschränken. Einige Patient*innen berichten von einer „flacheren" Stimmung und entscheiden sich, die Medikation zu reduzieren oder abzubrechen. Deshalb ist eine individuelle Abstimmung mit dem behandelnden Arzt entscheidend.

Forschungslücken: Frauen, Hormone und mehr

Ein Großteil der bisherigen Forschung konzentrierte sich auf männliche Probanden. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede – etwa der Einfluss von Östrogen und Progesteron – werden erst seit wenigen Jahren systematisch untersucht. Wierenga fordert mehr Studien, um die späte Diagnosestellung bei Frauen und die hormonellen Mechanismen besser zu verstehen.

Insgesamt zeigt das Gespräch, dass ADHD weit mehr ist als nur Hyperaktivität. Es ist ein komplexes neurologisches Profil, das sowohl Herausforderungen als auch einzigartige Stärken mit sich bringt.

Source: https://scientias.nl/van-hyperactief-tot-creatief-de-wetenschap-achter-adhd/

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