Ein Blick durch drei Weltraumteleskope
Die Begegnung zweier massiver Galaxien, die etwa 500 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist, wird in der Astronomie als II Zw 096 bezeichnet. Dieses System ist ein Paradebeispiel für die gewaltigen Kräfte, die wirken, wenn Sterne, Gas und dunkle Materie aufeinandertreffen. Durch die Kombination von Daten der Röntgenteleskop‑Mission Chandra, des optischen Observatoriums Hubble und des Infrarot‑Observatoriums James Webb entsteht ein vielschichtiges Bild, das sowohl die heißen, energiereichen Regionen als auch die verborgenen Sternentstehungsstätten offenbart.
Röntgenblick mit Chandra
Chandra liefert das magentafarbene Röntgenlicht, das vor allem von aktivierenden supermassiven Schwarzen Löchern und von extrem heißem Gas stammt, das durch die Kollision aufgeheizt wird. Diese Strahlung durchdringt den dichten Staub, der die inneren Bereiche der Galaxien verdeckt, und macht so die energetischen Prozesse sichtbar, die im optischen Licht unsichtbar bleiben.
Optische Klarheit von Hubble
Die im Jahr 2008 aufgenommenen Aufnahmen von Hubble zeigen die beiden Galaxien in Blau‑ und Weißtönen. Man erkennt klare Spiralarme, die bereits durch die gravitative Wechselwirkung verzerrt werden, sowie leuchtende Schleier aus jungem Sternen, die sich entlang der Brücken zwischen den beiden Systemen erstrecken. Das Bild vermittelt ein eindrucksvolles Bild der strukturellen Zerstörung, die eine Kollision mit sich bringt.
Infrarot‑Entdeckungen mit Webb
Webb ergänzt das Bild mit tiefroten und grauen Tönen, die das Infrarotlicht der versteckten Sternentstehungsgebiete darstellen. Die NIRCam‑ und MIRI‑Instrumente dringen durch den dichten Staub hindurch und enthüllen massive Sternhaufen, die in den Röntgen- und optischen Bildern nicht zu sehen sind. Diese Regionen leuchten mit einer Intensität, die das System zu einem sogenannten Luminous Infrared Galaxy (LIRG) macht – mehr als hundert Milliarden Mal heller als unsere Sonne im Infrarot.
Die gesamte Struktur erstreckt sich über etwa 50 000 Lichtjahre, doch die aktivste Sternentstehungszone ist auf ein winziges Kerngebiet von rund 700 Lichtjahren begrenzt. Dort entstehen Sterne in einem Tempo, das das gesamte System in ein Leuchtfeuer verwandelt.
Warum das wichtig ist
Solche Kollisionen waren im frühen Universum häufig und haben maßgeblich zur Bildung der heute beobachteten Galaxienformen beigetragen. Durch das Zusammenspiel von Röntgen-, optischem und Infrarotlicht erhalten Astronomen ein nahezu vollständiges Bild der physikalischen Prozesse: von den aktiven Kernen über die Verteilung des heißen Gases bis hin zu den verborgenen Sternentstehungsregionen.
II Zw 096 dient somit als natürliches Labor, um die Evolution von Galaxien zu verstehen. Die Zusammenarbeit der drei Teleskope demonstriert, wie unterschiedliche Wellenlängen jeweils ein Stück des kosmischen Puzzles enthüllen und gemeinsam ein umfassendes Narrativ über Milliarden Jahre kosmischer Geschichte ergeben.
Source: https://scientias.nl/ruimtefoto-ii-zw-096/