Ein überraschendes Ergebnis aus Großbritannien
Eine aktuelle britische Untersuchung hat ergeben, dass Personen, die mit elektrischen Tretrollern (E‑Scootern) in den Notarzt gerufen werden, dreimal häufiger an schweren Kopfverletzungen leiden als Motorrad- oder Fahrradfahrer. Die Analyse basiert auf dem nationalen Traumaregister von England und Wales sowie Meldungen eines großen Verleihunternehmens.
Mehr Kopfverletzungen, weniger Knochenbrüche
Von den 580 im Register erfassten E‑Scooter‑Unfällen betrafen über ein Drittel primär das Gehirn. Bei Motorradfahrern lag dieser Anteil bei rund 10 % und bei Radfahrern bei etwa 18 %. Im Gegensatz dazu war die Rate von Knochenbrüchen bei Motorradfahrern mit 54 % deutlich höher als bei E‑Scootern (43 %).
Helm‑ und Sicherheitsverhalten
Ein zentrales Problem ist die geringe Helmnutzung. Nur 5,9 % der E‑Scooter‑Fahrer trugen einen Schutzhelm, während bei Motorradfahrern 75,7 % und bei Radfahrern 45 % einen Helm aufhatten. Unter den Mietern, die einen Unfall bei Voi meldeten, sank die Quote sogar auf 0,8 %.
Interne Blutungen und Gefäßschäden
Zusätzlich zu den Hirnverletzungen wiesen E‑Scooter‑Patienten häufiger innere Blutungen und Gefäßrisse auf. Diese Befunde deuten darauf hin, dass die fehlende Verkleidung und das niedrige Schwerpunkt‑Design des Fahrzeugs das Risiko für schwere innere Traumata erhöhen.
Alters- und Geschlechterunterschiede
Erstaunlich ist der hohe Anteil minderjähriger Verletzter: 16 % der E‑Scooter‑Unfälle betrafen Jugendliche, verglichen mit 6,2 % bei Motorradfahrern und 8,9 % bei Radfahrern. Frauen erlitten demnach fast doppelt so häufig schwere Verletzungen wie Männer, obwohl Männer rund 70 % aller Fahrten ausmachten. Experten vermuten, dass Frauen häufiger auf Gehwegen oder unbefestigten Flächen unterwegs sind, wo das Risiko höher ist.
Warum E‑Scooter besonders gefährlich sein können
Der fehlende Federweg, die kleinen Räder und das hohe Lenkrad begünstigen ein plötzliches Aufspringen über das Steuer bei starkem Bremsen oder beim Aufprall auf Bordsteinkanten. Kombiniert mit der geringen Helmnutzung entsteht ein gefährliches Szenario, das zu Kopf‑ und Innenverletzungen führt.
Grenzen der Studie
Die Untersuchung liefert nur eine Momentaufnahme. Es fehlen Daten zu Geschwindigkeit, Alkohol, Straßenzustand und individuellem Fahrverhalten. Ohne Kontrollgruppe lässt sich nicht eindeutig beweisen, dass das Fahrzeugdesign allein für die höheren Verletzungsraten verantwortlich ist.
Dennoch verdeutlichen die Ergebnisse, dass E‑Scooter‑Nutzer ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Kopfverletzungen tragen – ein Umstand, der in der öffentlichen Diskussion über Helm‑pflicht und Zulassungsbedingungen stärker berücksichtigt werden sollte.