Ein überraschendes Ergebnis aus Großbritannien
Eine aktuelle britische Untersuchung hat ergeben, dass Fahrende von elektrischen Tretrollern (E‑Steps) bei schweren Unfällen dreimal häufiger an Kopfverletzungen leiden als Motorradfahrer. Die Analyse beruht auf Daten des nationalen Traumaregisters von England und Wales sowie Meldungen von Kunden des Verleihunternehmens Voi.
Methodik und Datengrundlage
Zwischen 2020 und 2022 wurden im Register insgesamt 580 E‑Step‑Unfälle, 7.027 Motorrad‑ und 7.640 Fahrradunfälle erfasst, die alle mit einer mindestens dreitägigen Krankenhausaufnahme, Intensivbehandlung oder einem tödlichen Ausgang verbunden waren. Zusätzlich wurden freiwillige Schadensmeldungen von Voi‑Nutzern ausgewertet, um ein Bild aus der Praxis zu erhalten.
Häufigkeit von Kopfverletzungen
Bei erwachsenen E‑Step‑Fahrern war in mehr als einem Drittel der Fälle das Hauptproblem ein Schädeltrauma. Bei Motorradfahrern lag dieser Anteil um das Dreifache niedriger, bei Radfahrern sogar fast halb so hoch. Die Zahlen sagen jedoch nichts über das Risiko pro gefahrenem Kilometer aus – sie zeigen lediglich, dass ein größerer Teil der schwer verletzten E‑Step‑Nutzer Kopfverletzungen erleidet.
Weitere Verletzungsmuster
Während Motorradfahrer häufiger Knochenbrüche erlitten (etwa 54 % aller Verletzungen), waren es bei E‑Steps nur 43 %. Im Gegensatz dazu traten bei E‑Step‑Unfällen vermehrt innere Blutungen und Gefäßrisse auf. Diese Tendenz lässt sich teilweise durch das Fehlen von Schutzhelmen erklären.
Der Helm‑Faktor
Nur 5,9 % der im Register erfassten E‑Step‑Fahrer trugen einen Helm, verglichen mit 75,7 % der Motorradfahrer und 45 % der Radfahrer. Unter den Voi‑Meldungen war der Helmanteil sogar noch niedriger – lediglich 8 von 1.000 Nutzerinnen und Nutzern. Das Fehlen einer Kopfbedeckung erhöht das Risiko, beim Aufprall mit dem Kopf auf den Lenker zu landen, besonders weil die kleinen Räder kaum Federung besitzen und bei plötzlichen Bremsungen leicht über Hindernisse springen.
Besondere Risikogruppen
Ein auffälliger Befund ist der hohe Anteil minderjähriger Verletzter: über 16 % der E‑Step‑Unfälle betrafen Jugendliche, während es bei Motorrad‑ bzw. Fahrradunfällen nur 6,2 % bzw. 8,9 % waren. Kinder erleiden häufig Bauchverletzungen, da das Lenkrad in ihrer Körperhöhe liegt.
Frauen scheinen ebenfalls stärker gefährdet zu sein: Laut Voi‑Daten erleiden sie doppelt so häufig schwere Verletzungen wie Männer, obwohl Männer fast 70 % aller Fahrten ausmachen. Mögliche Erklärungen sind unterschiedliche Fahrbahnen (z. B. Fußwege) und ein Fahrzeugdesign, das primär auf ein durchschnittliches männliches Körpergewicht abgestimmt ist.
Fazit und Ausblick
Die Studie macht deutlich, dass E‑Steps ein erhebliches Risiko für Kopfverletzungen bergen, vor allem weil Helme selten getragen werden und das Fahrzeugdesign wenig Schutz bietet. Obwohl die Daten keine Aussagen über die Unfallwahrscheinlichkeit pro Kilometer zulassen, sollten Gesetzgeber, Hersteller und Nutzer die Erkenntnisse ernst nehmen und Maßnahmen wie Helmpflicht, verbesserte Federung oder strengere Altersgrenzen prüfen.