Neuer Ordner für Unternehmensnachrichten
Meta experimentiert derzeit mit einer Funktion, die große Unternehmen wie Banken, Fluggesellschaften oder Mobilfunkanbieter in einen separaten Bereich ihres Chats verschiebt. Dieser Bereich trägt den Namen „Offers & Updates“ und soll den regulären Chat‑Verlauf von privaten Unterhaltungen entlasten. Der Test läuft bereits mit ausgewählten Partnern der WhatsApp Business Platform, während kleine Unternehmen und Einzelaccounts vorerst außen vor bleiben.
Wie funktioniert das Feature?
Sobald ein Nutzer eine Nachricht von einem als „groß“ eingestuften Unternehmen erhält, wird diese nach einer festgelegten Wartezeit automatisch in den neuen Ordner verschoben. Meta prüft dabei unterschiedliche Verzögerungen – von wenigen Stunden bis zu einem vollen Tag – um herauszufinden, welcher Zeitraum die beste Balance zwischen Sichtbarkeit und Ordnung bietet. Nutzer können die gesamte Funktion deaktivieren, wenn sie sämtliche Nachrichten im Haupt‑Chat sehen möchten, jedoch lässt sich der genaue Zeitpunkt des Verschiebens nicht individuell anpassen.
Warum Meta das einführt
Im zweiten Quartal 2026 meldete Mark Zuckerberg, dass die Einnahmen aus dem Segment „Family of Apps“ dank bezahlter Nachrichten und Abonnements bei WhatsApp die Milliardengrenze überschritten haben. Ein wachsender Teil dieser Einnahmen stammt von Unternehmen, die über die Plattform Kunden erreichen. Gleichzeitig klagen immer mehr Nutzer über überfüllte Posteingänge, in denen Werbeaktionen, Lieferupdates und Rabattcodes mit privaten Unterhaltungen konkurrieren. Durch das Auslagern von Unternehmenskommunikation in einen eigenen Ordner hofft Meta, die Nutzererfahrung zu verbessern und gleichzeitig die Monetarisierung zu sichern.
Auswirkungen für Nutzer und Unternehmen
Für Endverbraucher bedeutet die neue Struktur, dass wichtige persönliche Nachrichten nicht mehr von massiven Marketing‑Flows verdrängt werden. Angebote, Gutscheine und Statusmeldungen lassen sich gezielt im Ordner „Offers & Updates“ finden, ohne den Haupt‑Chat zu überfluten. Unternehmen profitieren davon, dass ihre Botschaften in einem dedizierten Bereich gesammelt werden, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Kunden sie tatsächlich öffnen. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, dass Nutzer erst den Ordner entdecken und aktiv prüfen müssen – ein zusätzlicher Klick, der die Interaktionsrate beeinflussen könnte.
Blick in die Zukunft
WhatsApp hat in den letzten Jahren bereits mehrere Maßnahmen gegen Spam ergriffen: 2024 konnten Nutzer Marketing‑Nachrichten abbestellen, 2025 wurde die Anzahl der Broadcast‑Nachrichten pro Zeiteinheit begrenzt, und im Oktober 2025 wurde die Zahl der unbeantworteten Unternehmensnachrichten reguliert. Der neue Ordner ist ein weiterer Baustein in dieser Strategie. Parallel dazu rollte Meta im Juni KI‑gestützte Business‑Agenten aus, die bereits über eine Million Unternehmen unterstützen. Wenn diese Agenten künftig vermehrt automatisierte Angebote versenden, könnte die Trennung von privaten und geschäftlichen Nachrichten noch wichtiger werden, um ein Übermaß an KI‑Spam zu verhindern.
Ob der Ordner langfristig Bestand hat, hängt von der Akzeptanz seitens der Nutzer und der Effektivität bei der Reduktion von Unordnung ab. Sollte das Experiment positive Ergebnisse liefern, könnte Meta den Service auf kleinere Unternehmen ausweiten und damit einen umfassenderen Filtermechanismus etablieren.