Ein rätselhafter Riese im Wasser
Der wasserbewohnende Farn Salvinia molesta gehört zu den hundert invasivsten Arten weltweit. In nur 36 Stunden verdoppelt er seine Biomasse und bildet dichte, smaragdgrüne Teppiche, die ganze Seen ersticken. Lange galt die Pflanze als allopentaploider Hybrid – ein Kreuz mit fünf Chromosomensätzen von mehreren Vorfahren. Neueste DNA‑Analysen haben dieses Bild jedoch radikal geändert.
Genetische Neuorientierung
US‑Forscher haben das Erbgut von Exemplaren aus verschiedenen US‑Populationen sequenziert und festgestellt, dass Salvinia molesta ein diploider Hybrid ist. Das bedeutet, sie trägt lediglich zwei Chromosomensätze, je einen von jedem unbekannten Elternteil. Diese korrigierte Einordnung ist nicht bloß ein taxonomisches Detail, sondern erklärt, warum die Art so erfolgreich invasiv geworden ist.
Warum die klassische Fortpflanzung scheitert
Die beiden Chromosomensätze passen nur schwer zusammen: Unterschiede in Anzahl und Struktur verhindern eine ordnungsgemäße Paarung während der Meiose. Ohne funktionierende Gameten entstehen keine lebensfähigen Sporen, sodass sich die Pflanze nicht sexuell verbreiten kann – ein scheinbarer Evolutionstrick, der sie in ihrer Umwelt lähmt.
Klone statt Samen
Stattdessen nutzt Salvinia molesta eine vegetative Strategie. Jeder Ast zerbricht in winzige Stücke, die sofort wieder zu vollständigen, genetisch identischen Pflanzen heranwachsen. So kann ein einzelner Individualstandort ein ganzes Gewässer dominieren. Die Untersuchung von rund hundert Proben bestätigte eine erstaunliche genetische Uniformität; minimale Unterschiede lassen sich nur auf zufällige Kopierfehler zurückführen.
Folgen für die Bekämpfung
Diese Homogenität eröffnet neue Möglichkeiten im Management. Da fast alle invasiven Bestände dasselbe Genom teilen, dürfte ein wirksames Kontrollverfahren, das an einem Ort funktioniert, auch an anderen Schauplätzen Erfolg haben. Das erleichtert die Entwicklung gezielter Bio‑ oder Chemikalien erheblich.
Ein Blick in verwandte Genome
Im gleichen Projekt untersuchten Wissenschaftler die verwandte Art Salvinia cucullata. Trotz ihres winzigen Genoms von etwa 250 Millionen Basenpaaren enthält sie überraschende 68 Chromosomen – fast viermal so viele, wie erwartet. Im Vergleich dazu besitzt S. molesta ein etwa zehnmal größeres Genom, jedoch nur 46 Chromosomen, verteilt auf zwei klar differenzierte Subgenome, die vor rund 25 Millionen Jahren divergierten. Diese Befunde deuten darauf hin, dass die Genom‑Evolution bei Farnen dynamischer ist als bislang angenommen.