Einleitung

Während manche Unternehmen ihren Mitarbeitenden nahezu uneingeschränkten Remote‑Zugang gewähren, verlangen andere nach der Pandemie wieder regelmäßige Präsenz im Büro. Warum gibt es diese Kluft? Aktuelle Forschung der University of Pennsylvania liefert eine überraschende Erklärung: Das Ausmaß narzisstischer Persönlichkeitszüge bei Führungskräften.

Die Studie im Überblick

Mehrere tausend Direktoren, Manager und Teamleiter wurden zu ihren Charaktereigenschaften befragt. Anschließend wurde ihr Einstellungsprofil zu hybriden Arbeitsmodellen und reinem Home‑Office ermittelt. Interessanterweise zeigte sich keine Korrelation zwischen dem Vertrauen in die Mitarbeitenden oder der sozialen Vorliebe – also dem Wunsch nach persönlichem Kontakt – und der Ablehnung von remote Arbeit.

Einzig die Ausprägung von Narzissmus, definiert als übersteigerte Selbstbezogenheit und das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, korrelierte signifikant mit dem Drang, Angestellte physisch im Büro zu sehen.

CEO‑Analyse

Da sich die Untersuchung nicht direkt auf Fortune‑500‑CEOs anwenden ließ, wurden Ersatz‑Indikatoren herangezogen: Höhe des Vergütungspakets, Größe der Unterschrift und prominente Platzierung des Portraits in Geschäftsberichten. Führungskräfte, die in diesen Messungen hoch abschnitten, strebten häufiger nach zusätzlichen Macht‑ und Statuspositionen und äußerten während der ersten beiden Pandemiejahre häufiger negative Kommentare zu Home‑Office‑Modellen.

Experimentelle Bestätigung

Ein ergänzendes Experiment ließ Teilnehmende über die Bedeutung durchsetzungsstarker Persönlichkeiten – etwa Steve Jobs oder Larry Ellison – reflektieren. Nach dieser Übung verschob sich die Haltung der Befragten im Schnitt deutlich in Richtung einer kritischeren Sichtweise auf remote Arbeit. Damit lässt sich ein kausaler Zusammenhang zwischen narzisstischen Denkmustern und Widerstand gegen dezentrale Arbeitsorte nachweisen.

Implikationen für Unternehmen

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass jeder Chef, der zurück ins Büro will, automatisch narzisstisch ist. Arbeitsplatzpolitik ist komplex und von vielen Faktoren abhängig. Dennoch zeigen die Befunde, dass Führungskräfte mit ausgeprägten narzisstischen Zügen eher Schwierigkeiten haben, Mitarbeitenden Selbstbestimmung bei der Wahl des Arbeitsortes zuzugestehen.

Weitere Studien belegen, dass verpflichtende Präsenz am Standort keine verbesserten finanziellen Kennzahlen liefert. Im Gegenteil: Unternehmen, die ihren Belegschaften zumindest einen Teil der Woche Home‑Office ermöglichen, verzeichnen höhere Zufriedenheit, geringere Fluktuation und teilweise gesteigerte Produktivität – ohne dass die Leistungseinbußen auftreten.

Allerdings ist vollständiges Remote‑Arbeiten nicht für jede Position optimal. Wenn Mitarbeitende mehr als die Hälfte einer Arbeitswoche von zu Hause aus tätig sind, können Kommunikations‑ und Koordinationsprobleme auftreten, die individuell adressiert werden müssen.

Source: https://scientias.nl/dit-is-de-echte-reden-waarom-leidinggevenden-niet-willen-dat-je-thuiswerkt/

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