Steigende Schusswaffenzahlen in Deutschland

Die jüngste Erhebung des Polizeitechnischen Instituts der Deutschen Hochschule der Polizei (DhPol) dokumentiert einen deutlich wachsenden Einsatz von Schusswaffen durch die Polizeikräfte der 16 Bundesländer. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der Schüsse auf Personen im Jahr 2025 mit 77 Fällen sogar ein neuer Höchstwert seit Beginn der bundesweiten Aufzeichnung im Jahr 1984.

Mehr Schüsse, mehr Verletzte

Im vergangenen Kalenderjahr wurden 51 Personen verletzt, was einen Anstieg gegenüber den 37 Verletzten im Jahr 2024 bedeutet. Die meisten Schussabgaben erfolgten offiziell in Notwehrsituationen, gefolgt von Aktionen zur Fluchtvereitelung bei Verdacht auf ein Verbrechen. Zusätzlich stieg die Zahl der Warnschüsse auf 50 Fälle, was den Trend zu einer aggressiveren Einsatzstrategie unterstreicht.

Todesfälle trotz Rückgang

Obwohl die Gesamtzahl der bei Polizeieinsätzen getöteten Personen auf 16 im Jahr 2025 gesunken ist, lag die Zahl im Vorjahr bei 21 – dem bislang höchsten Ergebnis seit 1984. Die Differenz zwischen den offiziellen Zahlen der Behörden und den Angaben der Bürgerrechtszeitschrift CILIP, die für 2025 17 Todesopfer verzeichnet, lässt darauf schließen, dass einige Todesermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen waren.

Neue Kategorien: Schüsse auf Fahrzeuge und Tiere

Ein bemerkenswerter Anstieg zeigte sich bei Schüssen auf „Sachen“, also Gegenstände, die von der Polizei beschossen wurden. 2025 wurden 113 solcher Fälle registriert, verglichen mit 80 im Jahr 2024 und nur 23 im Vorjahr. Darunter zählen auch Schüsse auf Fahrzeuge, bei denen Personen im Fahrzeug gesichert sein können. In den letzten zwei Jahren kam es zu mehreren Einsätzen, bei denen Verletzte und sogar ein Todesfall eines Baggerfahrers dokumentiert wurden.

Besonders auffällig ist die stark gestiegene Zahl von Schüssen auf Tiere – im Jahr 2025 wurden 17.203 Tiere getroffen, häufig nach Wildunfällen oder bei Verdacht auf Tollwut. Seit den 1990er Jahren hat sich diese Zahl etwa verzehnfacht.

Verstärkte Transparenz und Datenzugang

Bis vor zwei Jahren war die Jahresstatistik nur über Presse- oder IFG-Anfragen erhältlich. Heute veröffentlicht die Innenministerkonferenz (IMK) die Zahlen auf ihrer eigenen Website, wodurch sie für die Öffentlichkeit leichter zugänglich sind. Die aktuelle Erhebung für das Jahr 2025 ist seit letzter Woche abrufbar.

Mehr Tasereinsätze, weniger Klarheit

Parallel zu den Schusswaffeneinsätzen hat auch die Nutzung von Elektroschockgeräten (Taser) zugenommen. Während detaillierte Zahlen zu Taser‑Verwendungen nicht Teil der veröffentlichten Statistik sind, bestätigt die Lage, dass die Argumentation der Befürworter – weniger tödliche Gewalt durch Elektro‑Alternativen – nicht durch die Faktenlage gestützt wird.

Die Datenlage verdeutlicht, dass die Zahl der polizeilichen Distanzwaffeneinsätze weiter steigt, während die politische Debatte um Einsatzvorschriften und Nachvollziehbarkeit bislang kaum vorangeschritten ist.

Source: https://netzpolitik.org/2026/statistik-zu-polizeilichem-schusswaffengebrauch-neue-hoechststaende-bei-polizeischuessen-und-tasereinsaetzen/

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