Einleitung

Die aktuelle Statistik des Polizeitechnischen Instituts der Deutschen Hochschule der Polizei (DhPol) liefert beunruhigende Zahlen: In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Schusswaffen- und Taser‑Einsätze bei den Polizeikräften in Deutschland kontinuierlich zugenommen. Diese Entwicklung wirft Fragen nach der Notwendigkeit, den Einsatzkriterien und den Konsequenzen für die betroffenen Bürger auf.

Entwicklung der Schusswaffennutzung

Im Jahr 2025 meldeten die Polizeibehörden 77 Einsätze, bei denen Schusswaffen auf Personen abgefeuert wurden – ein Anstieg gegenüber 74 Fällen im Vorjahr, 65 im Jahr 2023 und 60 im Jahr 2022. Die Mehrheit dieser Schüsse wurde offiziell als Notwehr oder Nothilfe deklariert. An zweiter Stelle standen Einsätze zur "Fluchtvereitelung" bei Verdacht auf ein Verbrechen. Zusätzliche 50 Warnschüsse wurden registriert, was ebenfalls ein deutliches Wachstum im Vergleich zu den Vorjahren bedeutet.

Verletzte und Tote

Bei den 77 Schusswaffen‑Einsätzen 2025 wurden 46 Personen verletzt, 37 davon im Jahr 2024. Im vergangenen Jahr starben 21 Menschen durch polizeiliche Schüsse – der höchste Wert seit Beginn der bundesweiten Erfassung im Jahr 1984. Insgesamt lag die Zahl der durch Polizeischüsse getöteten Menschen 2025 bei 16, was wiederum das übliche Niveau widerspiegelt, jedoch eine bedenkliche Höchstmenge darstellt.

Taser‑Einsätze und die Debatte um deren Wirksamkeit

Parallel zu den steigenden Schusswaffenzahlen nahm auch die Nutzung von Elektroschockgeräten zu. Befürworter argumentieren, dass Tasern gewaltfreie Alternativen darstellen, doch die Zahlen zeigen, dass auch hier kein Rückgang von Verletzungen zu verzeichnen ist. Die steigende Frequenz von Taser‑Einsätzen untergräbt die Annahme, dass diese Geräte als wirksame Entschärfungsmethode fungieren würden.

Weitere Erkenntnisse: Schüsse auf Sachen, Fahrzeuge und Tiere

Die DhPol‑Statistik führt zudem Schüsse auf "Sachen" auf, zu denen Fahrzeuge und Tiere zählen. 2025 wurden 113 solcher Fälle gemeldet – ein erheblicher Sprung von 80 im Vorjahr und nur 23 im Jahr zuvor. Besonders auffällig ist die Zunahme von Schüssen nach Wildunfällen oder bei Verdacht auf Tollwut: 17.203 Einsätze seit den 1990er Jahren, ein Faktor von zehn gegenüber früheren Jahrzehnten.

Schüsse auf Personen in Fahrzeugen

Wenn in Fahrzeugen Personen transportiert werden, gilt der Vorfall als Schuss auf Personen, nicht als "Sache". In den letzten beiden Jahren kam es zu mehreren Vorfällen, bei denen sowohl Verletzte als auch ein Todesopfer (ein Baggerfahrer) zu verzeichnen waren.

Fazit

Die vorliegenden Zahlen verdeutlichen, dass der polizeiliche Einsatz von Schusswaffen und Tasern in Deutschland nicht nur weiter steigt, sondern auch immer häufiger mit schweren Verletzungen und Todesfällen einhergeht. Die offizielle Einordnung der meisten Fälle als Notwehr wirft zudem Fragen nach den Bewertungsmaßstäben der Staatsanwaltschaften auf. Angesichts dieser Entwicklungen ist eine kritische öffentliche Diskussion über die Anwendung von Distanzwaffen und deren Alternativen dringend erforderlich.

Source: https://netzpolitik.org/2026/statistik-zu-polizeilichem-schusswaffengebrauch-neue-hoechststaende-bei-polizeischuessen-und-tasereinsaetzen/

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