Apple öffnet den iOS‑Markt für Wettbewerb in Brasilien
Am Donnerstag gab Apple bekannt, dass Entwickler*innen in Brasilien fortan ihre iOS‑Applikationen über alternative App‑Stores vertreiben dürfen und Zahlungen für digitale Güter außerhalb des hauseigenen App Stores abwickeln können. Die Entscheidung ist Teil einer Vereinbarung mit dem brasilianischen Wettbewerbsregulator CADE (Conselho Administrativo de Defesa Econômica) und markiert einen weiteren Schritt, bei dem Apples ehemals strikte Kontrolle über das iOS‑Ökosystem erodiert wird.
Hintergrund und regulatorischer Druck
Bereits in der Europäischen Union und Japan hatte Apple ähnliche Änderungen vorgenommen, nachdem Aufsichtsbehörden und Gerichte Druck ausübten. In den USA erlaubt ein Gerichtsurteil im Epic‑Games‑Fall den Entwickler*innen, Nutzer*innen direkt zu externen Zahlungsoptionen zu führen. Brasilien folgt nun diesem Trend, indem es dem Unternehmen vorschreibt, den Markt für alternative Distributionskanäle zu öffnen.
Neue Schutzmechanismen und Bedingungen
Um Missbrauch zu verhindern, führt Apple in Brasilien ein Notarisierungs‑Verfahren für außerhalb des App Stores verteilte Anwendungen ein. Zusätzlich müssen alternative Marktplätze eine behördliche Genehmigung erhalten. Weitere Vorgaben dienen dem Schutz von Minderjährigen vor ungeeignetem Content und vor Betrugsversuchen. Apple hat zudem den Anhang 12 seines Apple Developer Program License Agreement aktualisiert, um die neuen Bedingungen für iOS‑Apps in Brasilien zu präzisieren.
Gebührenmodell und Fristen
Die neuen Regelungen sehen die Anwendung einer Core‑Technology‑Commission (CTC) von 5 % vor, die seit Januar in der EU gilt und nun auch in Brasilien Anwendung findet. Diese Gebühr gilt nicht nur für Apps, die über den offiziellen App Store vertrieben werden, sondern auch für solche, die über das Web oder alternative Marktplätze angeboten werden. Entwickler*innen müssen den aktualisierten Lizenzvertrag bis zum 6. Juli 2026 akzeptieren, um legal in Brasilien operieren zu können.
Auswirkungen auf die Branche
Für brasilianische Entwickler*innen eröffnet die Öffnung des Marktes neue Einnahmequellen und größere Flexibilität bei Preisgestaltung und Zahlungsabwicklung. Gleichzeitig müssen sie sich mit zusätzlichen regulatorischen Auflagen auseinandersetzen, die zusätzliche Kosten und Verwaltungsaufwand bedeuten können. Für Verbraucher*innen könnte die größere Auswahl an App‑Stores zu konkurrenzfähigeren Preisen und innovativeren Angeboten führen.
Die Entscheidung spiegelt einen globalen Wandel wider, bei dem große Plattformen zunehmend von Regulierungsbehörden gezwungen werden, ihre Monopolstellung zu lockern. Beobachter*innen erwarten, dass weitere Länder ähnliche Schritte einleiten, um den digitalen Wettbewerb zu stärken.
Source: https://techcrunch.com/2026/06/18/apple-opens-up-app-store-to-new-competition-in-brazil/