Ein außergewöhnlicher Held im Schatten des Krieges

Im Dezember 1944, als die Front in Italien endgültig nach Süden drängte, stießen Soldaten der afroamerikanischen 92. Infanteriedivision auf zwei erschöpfte Gestalten – Reed Edwin Peggram, ein Harvard‑Absolvent, und seinen dänischen Gefährten Gerdh Hauptmann. Beide berichteten, aus einem deutschen Konzentrationslager geflohen zu sein, und schilderten eine Odyssee durch verschneite Apenninen, verlassene Scheunen und versteckte Höhlen. Ihre Geschichte wirft ein überraschendes Licht auf die vernetzten Schicksale von Rassismus, Homosexualität und dem unbeugsamen Willen, einander beizustehen.

Der junge Intellekt aus Boston

Reed Peggram wurde 1914 in Boston geboren. Schon früh zeigte er ein bemerkenswertes Talent für Sprachen und Literatur. Er besuchte die angesehene Boston Latin School, wo er als einziger Schwarzer in den Clubs für Drama und Dichtung hervorstach. Seine schulischen Leistungen landeten ihn in den oberen Vierteln seiner Klasse, und er sammelte Auszeichnungen für herausragende akademische Erfolge. Anschließend schrieb er sich an die Harvard University ein, wo er sowohl einen Bachelor‑ als auch einen Masterabschluss erwarb und sich in die elitäre Gesellschaft von Phi Beta Kappa einreihte.

Eine Liebe, die Grenzen sprengte

Während seiner Studienzeit in Dänemark lernte Peggram Gerdh Hauptmann kennen, einen jungen Mann mit blonden Haaren und einer Vorliebe für philosophische Diskussionen. Die beiden entwickelten eine tiefe emotionale Bindung, die zu jener Zeit – besonders für einen afroamerikanischen Mann – erhebliche Risiken barg. Ihre Beziehung stand unter dem wachsamen Auge einer tief gespaltenen Gesellschaft, die sowohl Rassismus als auch Homophobie verfolgte. Trotzdem wagten sie es, ihre Zuneigung offen zu leben, selbst als der Kontinent von Krieg und Tyrannei erschüttert wurde.

Flucht aus dem Alptraum

Im Sommer 1944 gerieten die beiden in ein deutsches Internierungslager in Norditalien. Die Haftbedingungen waren unmenschlich; Hunger, Kälte und die ständige Bedrohung durch das Militär prägten den Alltag. Nach zwei Jahren des Leidens beschlossen Peggram und Hauptmann, das Lager zu verlassen – ein waghalsiger Plan, der sie durch eisige Bergpässe, über gefrorene Seen und durch dichtes Unterholz führte. Ihre Erzählung, die später von dem afroamerikanischen Reporter Max Johnson in mehreren Zeitungen veröffentlicht wurde, war zunächst von Skepsis begleitet, da Peggram einen leicht britischen Akzent besaß und seine akademischen Abschlüsse behauptete.

Die Begegnung mit der 92. Division

Als die erschöpften Flüchtlinge schließlich die Linien der 92. Infanteriedivision erreichten, wurden sie von den Soldaten aufgenommen und medizinisch versorgt. Der Bericht Johnsons betonte die unerschütterliche Loyalität der beiden Männer: „Wie Damon und Pythias, deren Freundschaft den tödlichen Hieb des Faschismus überstand.“ Peggram äußerte, dass sein größter Verlust nicht die physische Verletzung war, sondern das Verschwinden seines Harvard‑Diploms – ein Symbol für das, was er sich durch harte Studien erarbeitet hatte.

Nachklang und Anerkennung

Obwohl die genauen Details von Peggrams Flucht teilweise im Dunkeln bleiben, hat seine Geschichte in den letzten Jahren neue Aufmerksamkeit erhalten. Die Autorin Ethelene Whitmire arbeitet an einer umfassenden Biografie, die demnächst im Verlag Penguin Random House erscheinen soll. Der bevorstehende Roman verspricht, das komplexe Geflecht aus Rassismus, Krieg, Sexualität und unerschütterlicher Freundschaft zu beleuchten – ein Zeugnis dafür, dass Liebe und Mut selbst den dunkelsten Zeiten standhalten können.

Source: https://www.narratively.com/p/the-gay-black-american-who-stared

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