Die neue Waffe im digitalen Propagandakampf

Im Zuge des wachsenden Informationskriegs zwischen den USA und dem Iran hat die islamische Republik ein ungewöhnliches Mittel gefunden: KI‑generierte Kurzfilme, die ausschließlich aus Lego‑Steinen bestehen. Diese sogenannten „Slopaganda“-Videos zeigen den ehemaligen Präsidenten Donald Trump in absurder, meist grotesker Manier – als trägen Zirkusclown, melancholischen Taco‑Essenden oder schlafenden Politiker. Durch die humoristische Aufbereitung gelingt es, politische Botschaften viral zu verbreiten und zugleich das Bild der US‑Regierung nachhaltig zu beschädigen.

Was steckt hinter den Clips?

Die Produktion erfolgt durch eine kleine Gruppe namens „Explosive Media“, deren Mitglieder allesamt zwischen 19 und 25 Jahren alt sind. Obwohl sie sich als unabhängig bezeichnen, geben sie offen zu, dass das iranische Regime ihr Auftraggeber ist und sie eine Lizenz für den Internetzugang besitzen – ein Luxus in einem Land, in dem das Netz seit Januar für 99 % der Bevölkerung gesperrt ist. Die Kombination aus schneller Schnitttechnik, populären Musikstilen wie Trap oder Rap und einer dichten Schicht an Memes sorgt dafür, dass die Videos auf Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagram Millionenfach aufgerufen werden.

Statistiken, die beeindrucken

Laut dem Institute for Strategic Dialogue (ISD) haben offizielle iranische Accounts in den ersten 50 Tagen seit Beginn des „Kriegs“ über 900 Millionen Aufrufe erzielt – ein vielfaches der Zahlen, die die Trump‑Administration bislang generieren kann. Die Reichweite erstreckt sich über das gesamte politische Spektrum: von MAGA‑Supportern über gemäßigte Republikaner:innen bis hin zu linken Aktivist*innen teilen regelmäßig die Lego‑Clips, weil sie einfach unterhalten und gleichzeitig einprägsame Narrative transportieren.

Warum Moralversuche scheitern

Die iranische Propaganda hat schnell gemerkt, dass reine Fakten oder moralische Appelle wenig Wirkung zeigen. Versuche, die Zahl der im Krieg getöteten Kinder zu thematisieren, bleiben unbeachtet. Dagegen explodieren die KI‑Clips förmlich: Sie brechen mit traditionellen Kommunikationsmustern und bedienen die Ästhetik dessen, was das Internet heute ausmacht – Schnelligkeit, Bildlichkeit und einen Hauch absurder Kreativität.

Auswirkungen auf die globale Medienlandschaft

Die Lego‑Videos illustrieren, wie leicht sich moderne Algorithmen übergreifend auf scheinbar triviale Inhalte ausrichten können. Sie ermöglichen es einem autoritären Staat, Inhalte zu produzieren, die gleichzeitig unterhaltsam und politisch aufgeladen sind. Dieser Mix führt dazu, dass sich die Debatte über den Iran‑Konflikt plötzlich nicht mehr nur in formellen Nachrichtensendern, sondern vor allem in den Feeds von Social‑Media‑Nutzern abspielt.

Source: https://netzpolitik.org/2026/iran-dominiert-im-slopaganda-krieg-mit-legosteinen-gegen-das-weisse-haus/

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