Ein einstimmiges Ergebnis, das Fragen aufwirft
Am vergangenen Freitag bestätigte der ZDF-Fernsehrat Norbert Himmler für weitere fünf Jahre als Intendanten des öffentlich-rechtlichen Senderhauses. Mit über 90 Prozent der abgegebenen Stimmen wurde er als einziger Kandidat gewählt – ein Ergebnis, das sowohl Bewunderung als auch heftige Kritik hervorrief.
Der Wahlzettel: Nur ein Name, drei Optionen
Der Stimmbogen bestand lediglich aus dem Namen Norbert Himmler und den Auswahlmöglichkeiten „Ja“, „Nein“ sowie „Enthaltung“. Die ursprünglich angekündigte Kandidatin Floria Fee Fassihi zog ihre Bewerbung zurück, sodass keine Gegenkandidatur mehr existierte. Dieses Szenario führte zu der häufig genannten Bezeichnung „Wahl ohne Auswahl“.
Historischer Vergleich: Vor fünf Jahren im Kontrast
Im Vergleich zur Intendantenwahl 2019, als Himmler gegen die ARD-Hauptstadtstudio-Leiterin Tina Hassel antrat, wirkt das aktuelle Verfahren besonders einseitig. Damals musste das Gremium über mehrere Wahlgänge entscheiden, bis Hassel im dritten Durchgang ihr Mandat zurückzog. Die damalige Teilung des Rats in einen konservativen „schwarzen“ und einen progressiven „roten“ Freundeskreis prägte die Debatte entscheidend.
Kontroverse Kritik aus dem konservativen Spektrum
Überraschend ist die starke Empörung aus den Reihen des konservativen Feuilletons. Stimmen aus Bild, Cicero und FAZ bezeichnen das Verfahren als „intransparenten Muff“ und „Farce“. Besonders Wolfgang Kubicki wirft dem Prozess demokratische Defizite vor und bemängelt das Fehlen links‑grüner Alternativen auf dem Stimmzettel – obwohl Himmler selbst von der konservativen Fraktion vorgeschlagen wurde.
Formale Rahmenbedingungen: Offen, aber unbewegt
Laut ZDF‑Wahlsatzung war das Amt des Intendanten von Januar bis Ende Januar 2026 öffentlich ausgeschrieben. Kandidaten mussten lediglich grundsätzliche Voraussetzungen wie Geschäftsfähigkeit und Wohnsitz in Deutschland erfüllen. Sieben Bewerbungen erreichten den Fernsehrat, doch nur Himmler erlangte die notwendige Unterstützung, um auf den Wahlzettel zu kommen. Das Verfahren erlaubte grundsätzlich Transparenz, jedoch mangelte es an einer tatsächlichen Auswahl viabler Alternativen.
Die Kernfrage: Demokratie im Auswahlverfahren?
Die Debatte konzentriert sich nun weniger auf die Person Himmler, als vielmehr auf die Funktionsweise des Fernsehrats. Ist die interne Gruppierung in „schwarze“ und „rote“ Kreise ein Hindernis für eine pluralistische Besetzung? Und welche Konsequenzen hat eine stark einseitige Kandidatenaufstellung für das Vertrauen der Öffentlichkeit in öffentlich-rechtliche Institutionen?
Die Diskussion bleibt offen und dürfte die zukünftigen Strukturen des ZDF‑Fernsehrats weiter prägen.
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