Fast am Rande des Aussterbens – doch nicht verloren

Wenn von einer Tierart nur noch wenige Dutzend Individuen in freier Wildbahn übrig sind, scheint das Aussterben unvermeidlich. Kleine Populationen sind besonders anfällig: Sie finden schwerer geeignete Partner, leiden unter Inzucht und sind extrem empfindlich gegenüber Krankheiten oder Naturkatastrophen. Trotz dieser Risiken zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass selbst stark dezimierte Arten mit gezielter Unterstützung wieder zu gesunden Beständen heranwachsen können.

Die Studie im Überblick

Ein internationales Forscherteam, darunter Wissenschaftler der Zoological Society of London und der Monash University, analysierte 141 Vogel‑ und Säugetierarten, die seit 1950 zeitweise auf weniger als fünfzig Exemplare im Wildbestand zurückgegangen waren. Ziel war es, die Erfolgsquote von Schutzmaßnahmen zu quantifizieren und herauszufinden, welche Strategien am wirksamsten sind.

Erstaunliche Erfolgsquoten

Von den 51 Arten, die aktiv gefördert wurden – etwa durch Habitat‑Wiederherstellung, Bekämpfung invasiver Arten oder gezielte Zucht‑ und Aussetzzuchtprogramme – erholten sich 61 % zu einer Population von mindestens hundert Tieren. Ohne jegliche Intervention lag die Erfolgsrate bei lediglich 2 %. Darüber hinaus starben 37 % der unbehandelten Arten aus, während bei den unterstützten Arten nur 12 % das Aussterben erreichten.

Welche Maßnahmen wirken am besten?

Die Analyse ergab, dass die Kombination aus Bedrohungsbeseitigung und aktiver Populationsverstärkung die höchste Wiederherstellungswahrscheinlichkeit bietet. Beispiele sind das Entfernen invasiver Raubtiere, das Wiederaufforsten von Lebensräumen und das Aussetzen von Aufzucht‑Tieren. Für Vögel, die beide Maßnahmen erhielten, lag die Chance, die Schwelle von hundert Individuen zu überschreiten, bei 74 %; bei Säugetieren bei 71 %. Ohne Eingriffe sank die Wahrscheinlichkeit auf 6 % bzw. 5 %.

Praxisbeispiele: Lord‑Howe‑Bosral und Mauritiustornfalke

Ein eindrucksvolles Beispiel ist der flugunfähige Lord‑Howe‑Bosral, der Ende der 1970er‑Jahre nur noch 23 Exemplare zählte. Durch das Ausrotten verwilderter Schweine und Katzen sowie ein intensives Zuchtprogramm stieg die Zahl bis 2018 auf mindestens 221 Vögel. Nach der vollständigen Entfernung der Ratten 2019 wuchs die Population weiter und erreichte 2024 beeindruckende 1.638 Individuen.

Ein weiteres Erfolgsgeschichten‑Beispiel ist die Mauritiustornfalke, die von lediglich vier Wildvögeln aus wieder auf ein stabiles Niveau zurückkehrte. Sieben der untersuchten Arten kehrten sogar nach einer Phase völliger Abwesenheit in die Natur zurück, dank intensiver Schutz‑ und Wiederansiedlungsmaßnahmen.

Implikationen für die Naturschutz‑Finanzierung

Die Ergebnisse haben weitreichende Konsequenzen für die Allokation knapper Ressourcen. Oft wird argumentiert, dass Arten mit nur noch wenigen Exemplaren zu teuer oder zu riskant für eine Rettungsaktion seien. Die Studie zeigt jedoch, dass gezielte Interventionen nicht nur die Überlebenschancen massiv erhöhen, sondern langfristig auch kosteneffizienter sein können, weil sie das Risiko eines kompletten Artenverlustes verringern.

Allerdings erfordert der Wiederaufbau von Populationen Geduld: Im Durchschnitt benötigen Arten etwa 18 Jahre, um die kritische Grenze von hundert Individuen zu überschreiten. Selbst nach Erreichen dieser Schwelle bleibt ein gewisser Schutzbedarf bestehen, um Rückschläge zu vermeiden.

Zusammengefasst verdeutlicht die Forschung, dass das Aufgeben einer stark gefährdeten Art verfrüht sein kann. Mit einer Kombination aus Bedrohungsmanagement und aktiver Populationsförderung lassen sich selbst scheinbar aussichtslose Situationen umkehren und die Biodiversität nachhaltig stärken.

Source: https://scientias.nl/bijna-uitgestorven-maar-niet-verloren/

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