Ein neues Bild des Sternhimmels

Die James‑Webb‑Weltraumteleskop (JWST) hat ein bislang unerreichtes Bild der Sternentstehungsregion N159 in der Großen Magellanschen Wolke aufgenommen. Mit einer Schärfe, die das Hubble‑Weltraumteleskop nicht erreichen kann, wurden über 300 000 Lichtquellen erfasst – darunter zahlreiche Sterne, die jünger als ein halbes Million Jahre sind. Dieses Ergebnis liefert einen eindrucksvollen Beweis für das Phänomen der sequentiellen Sternentstehung, bei dem sich die Bildung neuer Sterne wie eine langsame kosmische Welle durch die Molekülwolke bewegt.

Die Region N159 im Überblick

N159 erstreckt sich über etwa 130 Parsec (rund 425 Lichtjahre) und liegt etwa 160 000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Sie befindet sich südlich des leuchtenden Tarantulanevels, dem aktivsten Sternentstehungsgebiet der Magellanschen Wolke. Die Region lässt sich in zwei kontrastierende Teilbereiche gliedern: N159E im Osten, das bereits massive, heiße OB‑Sterne beherbergt, und N159W im Westen, wo junge Protosterne noch tief in dichten Gas‑ und Staubschichten verborgen sind.

Sequenzielle Sternentstehung

Die klare Teilung zwischen Ost‑ und Westbereich macht N159 zu einem Labor für das Studium der sequentiellen Sternbildung. Hier komprimieren Strahlung und Stellarwinde junger, massereicher Sterne das umgebende Gas, wodurch neue Dichtekerne entstehen, die wiederum die nächste Generation von Sternen hervorbringen. Das Webb‑Bild visualisiert diesen Prozess eindrucksvoll: Man erkennt, wie die Sternentstehungsfront von Osten nach Westen wandert, fast wie ein wellenförmiger Impuls, der das molekulare Material neu formt.

Webb versus Hubble

Während das Hubble‑Teleskop N159 bereits 1999, 2016 und erneut 2025 fotografierte, blieb die Auflösung im nah‑infraroten Bereich begrenzt. Webb nutzt die NIRCam‑Kamera mit zehn Filtern zwischen 1 µm und 4,7 µm und erreicht damit eine Empfindlichkeit bis zu Magnitude 27 im F115W‑Filter. Das entspricht Sternen mit weniger als 0,1 Sonnenmassen – ein Bereich, den Hubble nie erreichen konnte. Durch die Kombination verschiedener Filter lassen sich unterschiedliche physikalische Eigenschaften abbilden: Kontinuum‑Emission, ionisiertes Wasserstoff‑Paα, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) und molekularer Wasserstoff.

Methodik und Entdeckungen

Die Analyse der mehr als 300 000 Punktquellen ermöglichte es den Forschern, junge Protosterne, Hauptreihen‑Sterne und ältere Populationen zu unterscheiden. Besonders spannend ist die Identifikation von Protosternen, die noch nicht die Wasserstofffusion begonnen haben und hinter dicken Staubschichten verborgen sind. Diese Objekte zeigen ein starkes Infrarot‑Exzess‑Signal, weil ihr umgebender Staub das sichtbare Licht absorbiert und im Infrarot wieder abgibt. Die Studie, deren Erstautor Nolan Habel ist, liefert damit einen umfassenden Katalog von Sternen, die bislang im Verborgenen lagen.

Die neuen Erkenntnisse aus N159 verdeutlichen, wie leistungsfähig das James‑Webb‑Teleskop ist, wenn es um das Aufspüren von Sternen in frühen Entwicklungsstadien geht. Sie öffnen ein Fenster zu den Prozessen, die die Struktur von Galaxien formen, und zeigen, dass selbst in einer relativ nahen Nachbargalaxie noch viele Geheimnisse auf ihre Entdeckung warten.

Source: https://scientias.nl/n159-webb-ruimtefoto/

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