Ein preisgekröntes Enthüllungsprojekt
Am 24. September 2026 wurden die Journalist*innen Ingo Dachwitz und Sebastian Meineck mit dem Deutschen Journalistenpreis im Ressort IT & Kommunikation ausgezeichnet. Ihr Beitrag, der im November 2025 auf netzpolitik.org erschien, trägt den Titel „Datenhändler verkaufen metergenaue Standortdaten von EU‑Personal“ und ist Teil der investigativen Serie „Databroker Files“. Die Auszeichnung würdigt nicht nur die journalistische Handwerkskunst, sondern auch die gesellschaftliche Brisanz des Themas.
Wesentliche Erkenntnisse der Recherche
Die Untersuchung deckt auf, dass hochrangige Beschäftigte europäischer Institutionen systematisch mit präzisen Geodaten ausspioniert werden. Diese Informationen, die angeblich ausschließlich für Werbezwecke gesammelt werden, ermöglichen eine lückenlose Nachverfolgung von Bewegungsabläufen. Dabei wird ein Netzwerk aus europäischen und transnationalen Firmen sichtbar, das weit über die bekannten US‑Big‑Tech‑Konglomerate hinausreicht.
Durch die Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk und internationalen Partnern wie L’Echo, Le Monde und BNR entsteht ein umfassendes Bild der Datenökonomie. Die Recherche zeigt, dass der europäische Datenschutz‑Goldstandard in der Praxis häufig nur ein Lippenbekenntnis bleibt, während staatliche Stellen selbst auf illegale Datenquellen zurückgreifen.
Reaktionen der Jury und der Preisträger
Die Jury bezeichnete den Artikel als „ein Paradestück für datengetriebenen Journalismus“ und hob die hohe gesellschaftliche Relevanz hervor. Carsten Knop, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hielt die Laudatio und betonte, dass das Werk Europa zwingt, unbequeme Wahrheiten zu konfrontieren.
In seiner Dankesrede betonte Ingo Dachwitz, dass nicht allein amerikanische Tech‑Giganten, sondern ein dichtes Geflecht europäischer Unternehmen für die massenhafte Erfassung von Standortdaten verantwortlich sei. Er kritisierte zudem, dass Regierungen eher am Datenschutz sägen, als wirksame Gegenmaßnahmen zu erarbeiten.
Auswirkungen und Ausblick
Der Preis soll als Katalysator für eine breitere Debatte über die Regulierung des Datenhandels dienen. Dachwitz fordert, dass Medien, die am Online‑Werbesystem beteiligt sind, transparent über die damit verbundenen Risiken berichten. Gleichzeitig wird ein stärkeres Eingreifen der Aufsichtsbehörden gefordert, um die Privatsphäre von EU‑Bürger*innen zu schützen.
Der Deutsche Journalistenpreis, seit 2007 jährlich verliehen, hat bislang über 8.300 Beiträge bewertet. In diesem Jahr wurden 582 Artikel aus rund 100 Medien eingereicht, von denen 545 nominiert und prämiert wurden. Die Preisverleihung unterstreicht die Bedeutung von Qualitätsjournalismus in einer Zeit, in der Daten zu einer neuen Währung geworden sind.
Fazit
Die „Databroker Files“ zeigen eindrucksvoll, wie investigative Recherche nicht nur Missstände aufdeckt, sondern auch politische und rechtliche Diskussionen anstößt. Der Gewinn des Deutschen Journalistenpreises bestätigt die Relevanz des Themas und ermutigt weitere Journalist*innen, die dunklen Ecken des digitalen Ökosystems zu beleuchten.