Einleitung

Die Ostküste Australiens erlebt seit den 1950er‑Jahren eine bemerkenswerte Wiederauferstehung der Bultrugpopulation. Während die Zahlen bereits seit Jahrzehnten steigen, liefert eine aktuelle Drohnenstudie überraschende Erkenntnisse über das körperliche Wachstum der Tiere. Forscher konnten erstmals das Längenwachstum lebender Individuen präzise dokumentieren – ein Meilenstein, der das Verständnis der Art grundlegend erweitert.

Historischer Kontext

Zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Bultrug fast ausgerottet. Zwischen 1949 und 1962 wurden rund 12 000 Exemplare für die westaustralische Fischerei erlegt, wobei ein Mindestmaß von 10,7 Meter vorgeschrieben war. Diese Jagdpraktik hinterließ eine verzerrte Datenbasis: Nur 118 der gefangenen Tiere waren kleiner als die festgelegte Grenze, sodass die damaligen Wachstumskurven – etwa von Chittleborough 1965 – fast ausschließlich ältere Exemplare abbildeten. Junge Tiere blieben weitgehend unbekannt.

Methodik der Drohnenmessungen

Ein Team der Griffith University und der Pacific Whale Foundation setzte zwischen 2021 und 2024 unbemannte Fluggeräte über Hervey Bay und Eden ein. Mit einer Laser‑Höhenmessung wurde die exakte Flughöhe erfasst, sodass die Distanz vom Schnauzenende bis zur Schwanzfluke in Metern berechnet werden konnte. Insgesamt wurden 865 Bultruggen vermessen. Bei 294 Individuen ließ sich das erste Sichtungsdatum aus einer Fotodatenbank (seit 1984) ableiten, wodurch ein Mindestalter bestimmt werden konnte. Für die übrigen Tiere erfolgte die Altersbestimmung anhand ihrer Altersklasse – von Kalb bis erwachsen.

Ergebnisse: Schnelleres Wachstum im Süden

Die Daten zeigen ein rasantes Wachstum: Bereits im ersten Lebensjahr erreichen Kälber zwischen 4 und 8 Meter Länge. Mit fünf Jahren messen sie durchschnittlich 10,9 Meter, und nach etwa 6,6 Jahren haben sie 90 % ihrer Endgröße von rund 13 Metern erreicht. Im Vergleich dazu benötigen Bultruggen im nördlichen Pazifik fast neun Jahre, während ihre Atlantik‑Gegenstücke noch länger brauchen. Trotz dieses beschleunigten Längenwachstums bleibt die maximale Erwachsenengröße seit der Jagdzeit nahezu unverändert.

Implikationen für die Populationsdynamik

Ein schnelleres Erreichen der fast erwachsenen Größe könnte theoretisch zu einer früheren Geschlechtsreife führen, was die Generationswechselrate erhöhen würde. Die vorliegende Studie untersuchte diesen Zusammenhang jedoch nicht, da das Alter bei Geschlechtsreife stark variieren kann. Dennoch korreliert das beschleunigte Wachstum mit einer beeindruckenden jährlichen Zuwachsrate von fast 11 % über drei Jahrzehnte nach dem Ende der Jagd.

Grenzen und Ausblick

Die Analyse basiert auf geschätzten Mindestaltern; alternative Altersannahmen verändern die Resultate kaum. Allerdings ist die Stichprobe älterer Tiere relativ klein, sodass die Wachstumskurve im höheren Alter mit geringerer Sicherheit bestimmt ist. Zudem erfordern Vergleiche mit anderen Populationen Vorsicht, da unterschiedliche Messmethoden und Umweltbedingungen die Ergebnisse beeinflussen können.

Source: https://scientias.nl/drones-meten-865-bultruggen-groeien-ze-bij-australie-sneller-dan-elders/

Related Articles