Palantir im europäischen Fokus
Die 42. Kalenderwoche brachte einen umfassenden Überblick über die Aktivitäten des US‑Technologiekonzerns Palantir in ganz Europa. Durch eine beispiellose Zusammenarbeit von Journalist:innen aus 18 Staaten konnten bislang verborgene Verträge, Ausgaben und kritische Diskussionen ans Licht gebracht werden. Die Ergebnisse zeigen nicht nur, wo Regierungen bereits in die Datenplattformen des Unternehmens investiert haben, sondern auch, welche Länder sich aus unterschiedlichen Bedenken zurückziehen.
Ein Netzwerk aus 18 Ländern
Die Recherche war ein Paradebeispiel für grenzüberschreitende Kooperation. Kolleg:innen aus Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Polen und vielen weiteren Staaten kombinierten lokale Informationsfreiheitsanfragen, persönliche Kontakte zu Ministerien und gezielte Presseanfragen. Dabei entstanden immer wieder Teilergebnisse, die in den jeweiligen Ländern veröffentlicht wurden, bevor das Gesamtbild fertig war. Besonders bemerkenswert war die späte Meldung aus Spanien, dass der einzige bestehende Palantir‑Vertrag dort nicht verlängert werden soll – ein Detail, das erst kurz vor Redaktionsschluss eintraf.
Finanzielle Dimensionen
Die gesammelten Zahlen verdeutlichen die wirtschaftliche Tragweite: Baden‑Württemberg hat rund 25 Millionen Euro, Italien etwa 6,2 Millionen Euro in Palantir‑Software investiert. Einzelne Beträge wirken auf den ersten Blick überschaubar, doch summiert man alle bekannten Ausgaben, erreicht man eine beeindruckende Summe von etwa 1,4 Milliarden Euro. Diese Zahl ist vermutlich ein Unterwert, da einige Regierungen ihre Kosten nicht offenlegen.
Mehr als Zahlen – warum Kooperation zählt
Die Zusammenarbeit zeigte, dass komplexe Themen selten von einer einzelnen Person erfasst werden können. Durch ein dichtes Netzwerk von Expert:innen, die jeweils die besten Recherche‑Methoden ihres Landes kannten, gelang es, ein lückenloses Bild zu erstellen. Der Austausch ermöglichte zudem, dass jede Region sofort über aktuelle Debatten informiert war, ohne auf automatisierte Übersetzungen zurückgreifen zu müssen. Die koordinierende Rolle der investigativen Plattform Follow The Money war dabei entscheidend, um die gesammelten Daten zu strukturieren und zu veröffentlichen.
Weitere Highlights der Woche
Neben dem Palantir‑Report wurden weitere brisante Themen behandelt. Ein Artikel warnte vor der Gefahr, einer KI‑gestützten Agentur uneingeschränkte Macht zu verleihen, da dies entweder zu Systemausfällen oder zu doppelten Spielchen von Menschen führen kann. Ein zweiter Beitrag deckte auf, dass fehlerhafte Smartwatches, die falsche Blutzuckerwerte anzeigen, bei großen Online‑Händlern wie eBay und Mediamarkt.de angeboten werden – ein Risiko, das erst nach intensiver Presseanfrage behoben wurde. Schließlich wurde die Werbetechnik‑Firma Xandr kritisiert, weil sie sensible Daten von Grindr‑Nutzer:innen an zahlreiche Werbenetzwerke weitergab; dafür steht das Unternehmen nun vor dem höchsten Datenschutz‑Bußgeld in der Geschichte Norwegens.
Source: https://netzpolitik.org/2026/kw-42-die-woche-in-der-europa-palantir-auf-die-finger-schaut/