Einleitung
Ein internationales Recherche‑Team hat die Verflechtungen des US‑Tech‑Giganten Palantir mit europäischen Behörden auf den Grund gegangen. Die Ergebnisse zeigen ein dichtes Netz aus Verträgen mit Militär, Polizei und Gesundheitssystemen, gleichzeitig aber auch einen wachsenden Widerstand von Regierungen, Zivilgesellschaft und Medien, die digitale Abhängigkeiten kritisch hinterfragen.
Palantirs Präsenz in den Streitkräften und Sicherheitsbehörden
In mehreren EU‑Staaten wird Palantirs Plattform "Maven" von der NATO eingesetzt. Auch die deutsche Bundeswehr nutzt die Software, wobei Vizeadmiral Thomas Daum betont, dass es kaum vorstellbar sei, Unternehmensmitarbeiter Zugriff auf nationale Datenbestände zu gewähren. Frankreich hat bereits angekündigt, eigene Systeme mit dem heimischen Unternehmen Chapsvision zu entwickeln, um die strategische Abhängigkeit zu reduzieren.
Polizei und öffentliche Sicherheit
Deutsche Bundesländer wie Hessen setzen Palantir‑Lösungen ein, um kriminalistische Analysen zu beschleunigen. Dokumentarische Recherchen belegen, dass Palantir‑Mitarbeiter physisch an Polizeistationen arbeiten und dort Daten auswerten. Diese Praxis löst Bedenken hinsichtlich der Kontrolle sensibler Informationen aus.
Gesundheitssektor und humanitäre Einsätze
Seit 2011 arbeitet Palantir mit europäischen Krankenhäusern zusammen, um Krebsdiagnosen zu beschleunigen und Notfallmanagement zu verbessern. Auch bei der Koordination von Flüchtlingsströmen und der Bekämpfung organisierter Kriminalität wird die Software eingesetzt. Befürworter argumentieren, dass die Technologie Leben retten könne, Kritiker hingegen warnen vor einer langfristigen Datenabhängigkeit.
Wachsende Kritik aus Zivilgesellschaft und Politik
In Großbritannien protestierten Bürger gegen neue Verträge, weil Menschenrechtsverletzungen nicht ausreichend adressiert würden. In Berlin führte ein Auftritt von Palantirs Mitgründer Peter Thiel bei einer Preisverleihung zu Demonstrationen. Politiker wie der französische Premierminister Sébastien Lecornu betonen, dass Europa keine neuen strategischen Abhängigkeiten eingehen darf.
Palantirs Gegenargumente
Der Konzern weist darauf hin, dass technologische Souveränität nicht allein durch die Nationalität des Anbieters definiert wird, sondern durch die Kontrolle über Daten, Entscheidungen und Aufträge. Palantir hebt seine Beiträge zur öffentlichen Gesundheit, zur Katastrophenhilfe und zur Bekämpfung von Gewalt hervor.
Die länderübergreifende Recherche
Die Untersuchung wurde von einer breiten Koalition aus Medienhäusern aus 18 Ländern koordiniert, darunter Der Standard (Österreich), De Tijd (Belgien), Helsingin Sanomat (Finnland) und netzpolitik.org (Deutschland). Die Zusammenarbeit ermöglichte einen umfassenden Überblick über Verträge, Einsatzbereiche und die wachsende Ablehnung des Unternehmens in Europa.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Palantir nach wie vor tief in europäische Infrastrukturen eingebunden ist, gleichzeitig aber ein starkes Gegenbewegung entsteht, die nach eigenen, unabhängigen Technologien verlangt.
Source: https://netzpolitik.org/2026/laenderuebergreifende-recherche-palantirs-geschaefte-in-europa/