Einleitung

Auf den flachen Korallenatollen der Tropen herrscht ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Meer, Land und Leben. Während der steigende Meeresspiegel die Küsten bedroht, zeigen aktuelle Forschungen, dass bestimmte Tier- und Pflanzenarten das Wachstum des Riffs aktiv unterstützen. Ein internationales Team, angeführt von der Lancaster University und unterstützt von Naturalis Leiden, hat herausgefunden, dass Seevögel und einheimische Bäume das Kalkgerüst der Korallen schneller aufbauen lassen und gleichzeitig für mehr Sand sorgen.

Der Einfluss von Seevögeln

Vögel wie Gänsegeier, Seeschwalben und Fregattvögel durchstreifen weite Ozeane, um Nahrung zu finden. Ihre Exkremente, die reich an Stickstoff sind, fallen auf den Inselboden zurück, wo ein Teil ins Meer gespült wird. Auf dem am stärksten untersuchten Atoll der Chagos-Archipel wurden rund 366 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr gemessen – ein enormer Nährstoffschub für die Algen, die im Symbiosegeflecht des Koralls leben. Diese Algen erhalten durch den zusätzlichen Stickstoff mehr Energie für die Photosynthese, wodurch das Korallgewebe mehr Calciumkarbonat ausstoßen kann.

Messbare Wachstumsunterschiede

Rattenfreie Inseln, auf denen die Vögel ungestört brüten, zeigen ein durchschnittliches Riffwachstum von fast sechs Millimetern pro Jahr – das 1,8‑fache der Rate auf Inseln, die von Ratten befallen sind. Dieser Zuwachs entspricht nahezu dem prognostizierten Meeresspiegelanstieg bis zum Jahr 2100 bei einer Erwärmung von zwei Grad Celsius. Ohne die nährstoffreiche Vogelguano‑Zufuhr würden viele Atolle kaum noch mit dem steigenden Wasser mithalten können.

Sandproduktion durch Papageifische

Ein weiteres, oft übersehenes Element ist die Rolle der Papageifische. Diese Fische schaben Korallenoberflächen ab, verdauen das Material und scheiden es als feinen, weißen Sand aus. Auf vogelreichen Atollen nutzen die Fische mehr Energie, was zu einer 2,3‑ bis 2,8‑fach höheren Sandproduktion führt. Der neu entstandene Sand ist ein entscheidender Baustein für die Lagunenböden und schützt die Küsten vor Erosion.

Wurzelnetzwerke als Stabilisierung

Einheimische Bäume, insbesondere die Pisonia, bilden dichte Wurzelgeflechte, die den Sand festhalten. In Wäldern, in denen mehr als 75 % der Vegetation aus einheimischen Arten besteht, wurden 4,6‑mal mehr feine Wurzeln gefunden als in von Kokospalmen dominierten Flächen. Die Kombination aus nährstoffreicher Vogelguano und robusten Wurzelsystemen reduziert den Verlust von Bodenmaterial bei Sturmereignissen erheblich.

Praktische Implikationen

Obwohl das Projekt keine Langzeitbeobachtungen nach einer Rattenentfernung beinhaltet, liefert es klare Anhaltspunkte für Naturschutzstrategien. Die Beseitigung invasiver Ratten und das Wiederaufforsten mit einheimischen Baumarten könnten die Widerstandsfähigkeit von Atollen gegenüber dem Klimawandel deutlich erhöhen. Gleichzeitig bleibt die Erwärmung der Ozeane die größte Gefahr für das Korallenökosystem.

Source: https://scientias.nl/de-zee-rukt-op-rond-koraaleilanden-maar-waar-zeevogels-broeden-groeit-het-rif-mee/

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